
01.
04. 2005 - Milos "Himmelfahrt" - Das Leid der Kälber
(Auch als PDF-Datei mit Fotos zum herunterladen)
Milos „Himmelfahrt“
Am Anfang war nur Wärme und der starke,
beruhigende Leib der Mutter. In dem kleinen polnischen Dorfstall, in dem
Milo geboren wurde, schien die Welt noch in Ordnung. Bei seiner Geburt
landete das Kalb im Stroh und wurde von der Mama zärtlich begrüßt und
sauber geleckt. Schon nach einer halben Stunde stand Milo auf wackeligen
Beinen im Stall und trank zufrieden am Euter der Mutter. So hätte alles
bleiben sollen. So friedlich und gemütlich hätte Milos Leben weiter
verlaufen sollen. Doch schon nach 14 Tagen war die Idylle jäh zu Ende.
Die Stalltür ging auf, Stimmen und schwere Schritte näherten sich. Milo
erschrak, als er gepackt und aus dem Verschlag gezerrt wurde. Ein Strick
legte sich um seinen Hals und Milo wurde fortgezogen. Verzweifelt schrie
er um Hilfe. Die Kuhmutter versuchte ihm zu folgen, aber schon schloß
sich das Stallgatter. Milos Mutter brüllte noch mit weit aufgerissenen
Augen, als das Kälbchen bereits auf der Ladefläche eines Anhängers lag
und mit acht anderen Kälbern aus dem Dorf zum Bezirksmarkt gekarrt
wurde.
Milo zitterte, Milo hungerte, Milo
sehnte sich nach seiner Mama. Auf dem Markt stand er im Pferch mit
vielen anderen, rundherum wurde gefeilscht und gehandelt. Der Lärm und
die Panik der verschreckten Tiere betäubten Milo, bis er sich nur noch
apathisch in eine Ecke drückte.
Milo war so am Ende, daß er die
Verladung in den großen Transporter kaum mitbekam. Unglaublich viele
Kälbchen wurden mit ihm in den finsteren Container verfrachtet. Auf drei
Etagen standen am Ende dicht gedrängt über 200 Kälber, alle im
Babyalter, alle für den Transport zu einem spanischen Mastbetrieb
bestimmt. Während der höllischen Fahrt von Polen nach Spanien konnte
sich Milo kaum auf den Beinen halten. Er war hungrig, durstig, verletzt,
die Luft stickig, der Boden voller glitschiger Exkremente und die Straße
kurvenreich. Die nicht entwöhnten Kälber saugten verzweifelt an allem,
was ihnen vor das Mäulchen kam. Stangen, Artgenossen, das eigene Fell.
Einmal blieb der Wagen kurz stehen, aber Milo schaffte es nicht zu dem
bisschen Futter zu gelangen, das in den Container geworfen wurde. Auch
eine Tränke bekam er nie zu Gesicht, sodaß er vor Durst fast wahnsinnig
wurde. Nach 2.500 Kilometern oder 95 Stunden Panik, Hunger und Schmerzen
war die Reise für Milo zu Ende. Beim Entladen war der Kleine nicht mehr
wieder zu erkennen. Das muntere Kälbchen Milo gab es nicht mehr. Etliche
Kälber wurden tot aus dem Wagen geborgen. Den kurzen Rest seines Lebens
verbrachte Milo im Mastbetrieb, sein Tod – nach einem weiteren
stundenlangen Transport zum Schlachthof – war fast eine Erlösung.
Milo ist nur eines von 100.000en
Kälbern, die jährlich kreuz und quer durch die EU gekarrt werden.
Aber lesen Sie selbst ...
Das Leid der Kälber
Kaum geboren, werden sie schon roh
behandelt. Viele Kälber sind nicht älter als 14 Tage, wenn sie auf
tagelangen Fahrten im Tiertransporter Höllenqualen erleiden.
Die Säuglinge, die von der Mutter nicht
entwöhnt sind und wie alle Neugeborenen ein großes Ruhebedürfnis haben,
werden vom Transportstress und vom Zusammengepferchtsein auf engstem
Raum so traumatisiert, daß viele wenige Tage nach ihrer Ankunft an der
so genannten „Crowding Disease“, einer schweren Erkrankung der Atemwege
und Verdauungsorgane sterben. Die Überlebenden werden gemästet und dabei
mit „Milchaustauscher“ aufgepäppelt, einer Mischung aus Wasser,
Milchpulver, Fischmehl und antibiotischen Leistungsförderern. Diese
„Nahrung“ enthält kaum blutbildendes Eisen, sodaß die Kälber bald unter
massiver krankhafter Blutarmut leiden. In der Folge bleibt das
Kalbfleisch weiß, was irrtümlicherweise von vielen Menschen für „gesund“
gehalten wird. Nach drei Monaten Mast erfolgt die Schlachtung, der
gewaltsame Tod am weit entfernten Schlachthof. Ein Kälberleben ist kurz
und grausam.
Warum gibt es so viele Kälber?
Hinter den Qualen der Kälber steht eine
absurde Überproduktion von Milch. Unfaßbare 19 Millionen Milchkühe gibt
es allein in der EU, und damit sie ständig viel Milch geben, müssen sie
jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringen. Das Ergebnis sind Unmengen Kälber,
die teilweise zur Mast nach Spanien oder Italien transportiert oder zur
Schlachtung nach Südeuropa (ältere Tiere sogar bis nach Nordafrika)
gekarrt werden. Die Leidtragenden dieser perversen „Produktion“ sind
Kälber und Kühe. Eine Hochleistungskuh gibt 7 bis 10.000 Liter Milch pro
Jahr und bis zu 70.000 Liter Milch in ihrem Leben! Eine normale, nicht
überzüchtete Weidekuh gibt deutlich weniger, nämlich 4.000 Liter Milch
pro Jahr. Die Hochleistungsmilchkühe leiden an Euterentzündungen und
Fruchtbarkeitsstörungen, normale Geburten sind bei unseren Kühen ohnehin
schon selten geworden, viele der Kälber kommen heute per Kaiserschnitt
zur Welt, der Rest durch brutales Ziehen mit Stricken. Unwissentlich
tragen wir alle dazu bei, dieses grausame System aufrecht zu erhalten:
Die EU-Subventionen für die Milchproduktion, die Lagerung und
Vernichtung von Milchseen und Butterbergen sowie den Export und
Transport der Tiere werden mit unseren Steuern finanziert!
Warum gibt es so viele
Tiertransporte?
Pro Jahr werden mindestens unglaubliche
400 Millionen Tiere kreuz und quer durch Europa transportiert! In der
letzten Zeit haben sich dabei die Routen verändert, die Transporte
dauern seit der EU-Osterweiterung noch länger und werden noch weniger
kontrolliert. Durch den vehementen Einsatz der österreichischen
Tierschützer sowie einiger Tiertransport-Inspektoren machen heute viele
Transporteure lieber einen Bogen um Österreich. Die so genannte Ostroute
Litauen/Polen-Tschechien-Slowakei-Ungarn-Slowenien-Italien/Spanien wird
dafür intensiv genutzt. Die Gründe sind die EU-Subventionen für den
Export von Tieren in Drittländer und für Transporte überhaupt sowie der
Profit durch die enormen Preisunterschiede zwischen Ost und West. Auch
die Spezialisierung einzelner Länder auf Mast oder Schlachtung spielt
dabei eine Rolle. Nur weil Schlachten in Spanien am billigsten ist,
werden hunderttausende Tiere aus ganz Europa dorthin gekarrt. Natürlich
ginge das alles auch anders. Aber aufgrund der EU-Subventionen und
starker Interessensgruppen, wie Frächter, Schlächter und Fleischmafia
müssen die Tiere weiter leiden.
Welche Gesetze gelten in der EU?
Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für
Tiertransporte in der EU wurden in einer neuen Richtlinie vom November
2004 festgeschrieben. Danach dürfen Tiere noch immer bis zu 29 Stunden
in einem Stück transportiert werden, Kälber dürften 19 Stunden, Rinder
29 Stunden ohne Pause unterwegs sein. Erst dann sollten sie eigentlich
entladen und an einer Versorgungsstation gefüttert und getränkt werden.
Doch in der Realität gibt es kaum geeignete Versorgungsstationen, die
Richtlinie wird daher de facto nie umgesetzt. Seit der EU-Osterweiterung
sind zudem die Grenzkontrollen zu Osteuropa entfallen, sodaß hier noch
weniger kontrolliert wird als früher. Kaum ein LKW wird geöffnet und
überprüft, geschweige denn werden die Tiere artgemäß versorgt. Beim
Agrarministertreffen im November 2004 standen kürzere Transportzeiten,
Ruhebestimmungen und Ladedichten erst gar nicht auf der Tagesordnung!
Die „Verbesserungen“ waren reine Augenauswischerei. Es liegt daher
wieder an uns Tierschützern, wirkliche Verbesserungen für die Tiere zu
erkämpfen. Wir hoffen, Sie unterstützen uns dabei, den
Langzeit-Tiertransporten endlich den Garaus zu machen.
Wie Rinder wirklich leben sollten
Schon seit fünf- bis sechstausend Jahren
besteht eine Nutzgemeinschaft zwischen Mensch und Rind. Rinder leben
eigentlich in Familienverbänden, die nomadisch umherziehen, wie etwa
heute noch in afrikanischen Ländern. Sie sind soziale, anpassungsfähige
Wesen und brauchen die Gemeinschaft der Artgenossen. Eingesperrt fühlen
sie sich nicht wohl, ein Stall ist für sie wie ein Gefängnis. Sie lieben
Bewegung und suchen sich ihre Nahrung – Kräuter, Gräser und Blätter –
je nach Jahreszeit aus. Bei Beschwerden therapieren sie sich selbst, das
heißt, sie suchen instinktiv nach heilenden Kräutern. Kälber sind
meistens Einzelkinder und entsprechend stark mit der Mutterkuh
verbunden. Schon 20 Minuten nach der Geburt steht das Kalb auf den
eigenen wackeligen Beinen und sucht nach dem Euter. Ein Kalb trinkt 10
bis 15mal täglich kleine Portionen Muttermilch, nach sechs -Monaten noch
etwa zweimal täglich. Ab der zweiten Lebenswoche fressen Kälbchen auch
ergänzend Gras oder ersatzweise Heu. Durch diese natürliche Ernährung
bekommt das Kalb genug Eisen, sein Fleisch ist nicht abartig weiß,
sondern blutrot. Kühe -reagieren sensibel auf Veränderungen in ihrer
Umgebung, die unnatürlich frühe Trennung ist für Kuhmutter und Kalb eine
gleichermaßen schmerzliche Erfahrung.
Wenn schon Milch-Produkte, dann bitte
nur aus biologischer Landwirtschaft!
Das „Leid“ eines
Tiertransportfahreres: „Ich kann an keiner Raststätte halten, um Kaffee
zu trinken. Wenn ich Kälber geladen habe, schreien die so erbärmlich,
daß
gleich die Polizei gerufen wird.“
ANIMAL SPIRIT arbeitet für ein Ende der
Tiertransporte
Unsere Forderung ist klar: Das Unrecht
der Tiertransporte muß aufhören! Wir fordern eine sofortige Beendigung
des Exportes von lebenden Tieren zum Mästen oder Schlachten in
Drittländer. Bis es so weit ist, sollen die EU-Subventionen für die
Transporte gestoppt werden. Innerhalb eines Landes sollen Transporte von
maximal sechs Stunden erlaubt sein, außerdem muß immer der
nächstgelegene geeignete Schlachthof angefahren werden (wie im
ehemaligen österreichischen – vom Europäischem Gerichtshof aufgehobenen
– Tiertransportgesetz vorgeschrieben). Zusätzlich fordern wir sofortige
strengste Kontrollen der bestehenden Richtlinien.
Kämpfen Sie mit uns!
Animal Spirit engagiert sich seit Jahren
gegen Tiertransporte, jetzt ist es besonders wichtig, daß wir nicht
locker lassen und diesen Kampf konsequent fortsetzen. Vor allem da sich
seit der EU-Ost-erweiterung die Transportwege wesentlich nach Osten
verlagert und insgesamt verlängert haben. Animal Spirit arbeitet daher
eng mit Tierschützern in Ost- und auch Westeuropa zusammen. Bereits 2003
kam es zu gemeinsamen Aktionen. Für die Fortsetzung unserer -Kampagnen
und Aktionen brauchen wir wieder dringend Ihre Unterstützung.
Bitte helfen Sie uns dabei!
Besuchen Sie unsere glücklichen Rinder
am Gnadenhof
Ferdinand, Friga, Flora und Fridolin
leben auf unserem Gnadenhof Arche Noah so wie alle Rinder leben sollten.
Bei jedem Wetter im Freien, auf der saftigen Weide, bei Nässe und Kälte
geschützt im Weideunterstand und nur in den kalten Winternächten im
Stall. Sie sind aber nicht im Stall eingesperrt, werden nirgends
angebunden und sind rundum zufrieden und gesund. Überzeugen Sie sich bei
einem Besuch am Gnadenhof Arche Noah. Bitte vorher telefonisch anmelden,
damit wir zwischen der —vielen Arbeit auch Zeit für Sie haben:
Tel. 02774 / 29330 oder 0676 / 5751860. Vielleicht entdecken Sie unter
unseren vielen Tieren auch eines, für das Sie gerne eine Patenschaft
übernehmen möchten. Das würde uns natürlich freuen. Kinder oder
Schulklassen sind bei uns besonders willkommene Gäste. Auf dem Gnadenhof
Arche Noah erleben sie, wie artgerecht gehaltene Tiere leben dürfen.
Übrigens: Unseren Gnadenhof kann man
auch mit Erbschaften bedenken. Wenn Sie sich dafür interessieren, rufen
Sie bitte Dr. Plank persönlich an. Sie erreichen ihn im Büro unter der
Nummer 02774 / 29330 oder mobil: 0676-7082434.
Spenden bitte auf: PSK Konto: 75.694.953
· BLZ 60000. Danke!
Animal Spirit - Zentrum für Tiere in Not
Am Hendlberg 112, A-3053 Laaben
Tel: +43 (0) 2774/29 330
Email: office@animal-spirit.at
Web: www.animal-spirit.at
PSK, BLZ 60000, Kto: 75.694.953 Volksbank Freilassing BLZ 71090000,
Kto: 285943