
30. 04. 2005 - Ende der Bärenqualen
wenigstens in Vietnam in Sicht?
Vietnam befreit die Bären aus den Gallensaft-Farmen
von Bettina Bläsing
Hanoi - Rund 3000 Kragen- und Malaienbären fristen in
Vietnam ein elendes Dasein als lebendige "Zapfsäulen" - eingezwängt in
winzige Käfige, in denen sie sich kaum umdrehen oder aufrichten können.
Das Objekt der Begierde ist die Gallenflüssigkeit der Bären, der in der
traditionellen asiatischen Medizin heilende Wirkung zugeschrieben wird.
Pulver aus dem dunkelgrün-gelblichen Saft soll entzündliche Krankheiten
heilen und Krämpfe, Fieber-, Leber- und Augenbeschwerden lindern.
Ein- bis zweimal im Monat wird die Gallenblase der Tiere
mit einer langen Nadel entleert. Auch in China wird "Bearfarming"
betrieben: hier wird den Bären täglich Gallensaft durch einen Katheder
abgezapft - eine Tortur, bei der die bis zur Unbeweglichkeit
eingepferchten und oft unterernährten Tiere vor Schmerzen laut schreien.
In Vietnam ist nun ein Ende der Tortur in Sicht: Das
Landwirtschaftsministerium in Hanoi hat zusammen mit der
Welttierschutzorganisation WSPA (World Society for Protection of Animals)
und dem Artenschutzprogramm Trafic ein Abkommen zur Abschaffung der
Bärenfarmen unterzeichnet. Bis zum September sollen die in
Gefangenschaft lebenden Bären registriert und mit Mikrochips
gekennzeichnet werden. Die Regierung bildet hierfür spezielle Fachkräfte
aus. Außerdem soll die Nachzucht auf Bärenfarmen verboten und die
Wilderei stärker kontrolliert werden. Nicht gekennzeichnete Bären auf
Farmen gelten danach als illegal und können beschlagnahmt werden. Ein
weiteres Projekt ist die Planung einer Rettungsstation im
Cat-Tien-Nationalpark nordöstlich von Saigon, in der die beschlagnahmten
Bären untergebracht werden sollen.
Offiziell ist das "Bearfarming" bereits illegal, seit
Vietnam 1994 dem Washingtoner Artenabkommen Cites beigetreten ist.
Kragenbären und Malaienbären stehen zusammen mit drei weiteren
Bärenarten auf der Liste der am stärksten durch internationalen Handel
bedrohten Tierarten.
Die Farmen produzieren jährlich mehr als 7000 Kilogramm
Bärengalle - zehnmal soviel, wie von Traditionellen Chinesischen Medizin
(TCM) benötigt. Mit der Überproduktion schwinden die Gewinne aus der
Bärenquälerei, zudem kennt die TCM mindestens 75 pflanzliche
Alternativen zur Bärengalle. Auch läßt sich der enthaltene Wirkstoff
Ursodesoxycholsäure (UDCA) im Labor herstellen. In der westlichen
Medizin werden pro Jahr weltweit 200 Tonnen synthetische UDCA als Mittel
gegen Gallensteine, Hepatitis und entzündliche Erkrankungen der Leber
und Galle eingesetzt.
Artikel erschienen am Do, 28. April 2005
http://www.welt.de/data/2005/04/28/710716.html
Rückfragehinweis: Dr.
Franz-Joseph Plank, (+43) 0676/7082434
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