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25. 07. 2006 - Tiere im Krieg - Die animalische Katastrophe
 

Tiere im Krieg
Die animalische Katastrophe

von Ulrich W. Sahm
 
"Die nachhaltige Zerstörung auf der israelischen Seite ist weit schlimmer als auf der libanesischen Seite. Israel leidet wirtschaftlich viel stärker: Wo die Raketen einschlagen, konzentriert sich Israels Wirtschaft, dort lebt die Bevölkerungsmehrheit, dorthin kommen die Touristen."
 
Das Zitat klingt wie israelische Propaganda, doch es war Hisbollah-Scheich Al Malli, der dies im Gespräche mit der "Süddeutschen Zeitung" sagte.
 
In dem inzwischen fast menschenleeren Norden Israels leidet auch die Natur. Über eine Million Bäume sind bei riesigen Waldbränden vernichtet worden. Wildtiere sterben im Feuer. Niemand löscht die Brände, weil auch die Feuerwehr die Katjuscharaketen aus Libanon fürchtet. Sie löscht nur noch dort, wo die Brände Wohngebiete gefährden.
 
Die meisten der rund 2.200 Raketen der Hisbollah sind schlecht gezielt. Anstatt Wohnhäuser in den Städten Naharija, Haifa oder Nazareth zu treffen, wo zwei muslimische Kinder ums Leben kamen, explodieren die meisten Raketen im "offenen Gelände". Gemeint ist die Landschaft mit natürlichen Wäldern oder Gestrüpp, das wegen der Sommerhitze vertrocknet ist und leicht Feuer fängt. Wegen neuer verschärfter Zensurbestimmungen darf nicht berichtet werden, wo genau die Raketen aus Libanon treffen, selbst wenn sie nur ins Meer stürzen und bestenfalls Fische gefährden.
 
Galiläa, einst grün wie die Toskana, ist schwarz und verbrannt. "Brandgeruch liegt überall in der Luft", sagt ein Reporter nach einer Tour durch den Norden. "Jetzt weiß ich, was mit 'verbrannter Erde' gemeint ist", sagt er mit bewusstem Bezug auf deutsche Geschichte.
 
Nicht nur in der Natur leiden die Tiere unter dem Krieg. Verschreckt durch pausenlose Explosionen von Raketen, aber auch durch israelische Artillerie beim Beschuss des Libanon, lassen Rehe ihre Kitzen im Stich. "Meine Hühner legen nur noch unfertige, mit Blut gefüllte Eier", klagt ein Bauer, nachdem eine Rakete in seinem Kuhstall Tod und Verwüstung gesät hat.
 
Nachdem ein Viertel aller Familien aus dem Norden Israel geflüchtet ist, sorgt sich Ahava (das Wort bedeutet Liebe, die Abkürzung steht jedoch für "Tiere retten in Israel und im Nahen Osten") um die zurückgelassenen Hunde und Katzen. Vor einigen Tagen schon berichtete Ahava per E-Mail an die Presse, man habe 138 verwaiste Hunde und Katzen eingesammelt. Freiwillige Helfer der tierfreundlichen Organisation hätten anderthalb Tonnen Trockenfutter und hunderte Wassertöpfe in den Städten im Norden Israels verteilt. "Ohne Hilfe des Menschen verdursten die Tiere in der Sommerhitze des Nahen Ostens", hieß es in dem ersten Brief. Die Organisation bittet selbstverständlich um Spenden, "denn sonst sterben die Tiere, ehe der Krieg vorüber ist". Veterinäre aus aller Welt sind aufgefordert, nach Israel zu kommen und die Tiere zu pflegen.
 
Ahava erzählt über sich selbst, "Hunde, Katzen, Esel, Pferde und Vögel in Israel und in den Palästinensergebieten" gerettet zu haben. Jetzt bietet sie sich an, den Soldaten bei ihrer Offensive im Südlibanon zu folgen, um "kranke und verwundete Tiere des Libanon" aufzunehmen.
 
Zwei Tage später folgte eine weitere dramatische E-Mail. Ahava habe Rufe von Libanesen erhalten, die fliehen wollten, aber ihre Haustiere zurück lassen müssten. "Aber die Kontakte brachen ab". Ahava wandte sich an "zahlreiche Botschaften". Doch die diplomatischen Vertretungen "antworteten nicht", obgleich die Organisation weiß, dass viele Libanesen sich wegen ihrer Lieblinge auch an die Botschaften wenden.
 
Ahava macht allen Regierungen, die jetzt ihre Staatsangehörigen per Schiff nach Zypern evakuieren, ein Angebot, um das brennende humanitäre, oder besser formuliert: dieses animalische Problem zu lösen. Die Flüchtlinge sollten die Genehmigung erhalten, ihre Tiere mit auf die Schiffe zu nehmen, die sie von Tyros oder Beirut nach Zypern bringen. In internationalen Gewässern wolle Ahava mit eigenen Schiffen kommen und alle mitgenommenen Haustiere übernehmen. 
 
http://www.n-tv.de/692661.html

 

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