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29. 09. 2005 - Mailing 04/2005 - Das Drama der „häßlichen“ Haflingerfohlen

 

(Auch als PDF-Datei mit Fotos zum herunterladen)

 

Das Drama der „häßlichen“ Haflingerfohlen

In Österreich und Deutschland werden jeden Herbst über 3000 Haflinger- und Norikerfohlen auf Pferdemärkten versteigert. Ihr weiterer Lebensweg ist kurz, aber umso grausamer. Nach einer zermürbenden Fahrt im Tiertransporter landen die meisten der von ihren Müttern brutal weggerissenen Fohlen in Mastställen, viele davon sind in der Nähe von Padua, um später weiter nach Süditalien gekarrt zu werden. Dort endet das Leben dieser Tierbabies im Akkordschlachtbetrieb.

Wer die einsamen, völlig verschüchterten Fohlen jemals im derben Treiben eines Pferdemarktes erlebt hat, wer mitansehen mußte, wie sie brutal auf die Transporter geprügelt werden, dem wird schwer ums Herz. Doch Mitgefühl alleine hilft den Fohlen nicht. Wir von ANIMAL SPIRIT versuchen, möglichst viele Fohlen durch Freikauf zu retten und arbeiten vehement daran, dieses barbarische Vorgehen in Zukunft zu verhindern. Denn hinter dem Leidensweg der Tiere verbirgt sich eine vertrottelte Zuchtideologie. Die Züchter produzieren einerseits einen Überschuß an Fohlen. Mit der Devise eine Stute nie „leer stehen zu lassen“ werden die Stuten nach 11 Monaten Schwangerschaft und Geburt so rasch wie möglich wieder gedeckt. Andererseits haben sie ein Bild des Idealhaflingers geschaffen, dessen Schönheitskriterien kaum ein Fohlen entspricht. Die Überproduktion der Züchter führt damit zu 90 Prozent „Ausschußware“. Diese unerwünschten Fohlen werden zum Kilopreis auf den Pferdemärkten verschachert.

 Aber schauen Sie selbst...

„Zu derb, zu plump, zu unsportlich“

In den letzten Jahrzehnten haben Haflingerzüchter Schönheitskriterien eingeführt, denen kaum ein Tier entspricht. Ein Fohlen, das „derb, plump, unsportlich“ wirkt oder etwa einen „groben“ Kopf hat, bekommt damit sein Todesurteil. Klare Gelenke und ein starker Geschlechtsausdruck stehen ebenfalls auf der Wunschliste der Züchter.

Die Mehrheit der Fohlen scheidet damit aus dem Rennen, über 95 Prozent der Hengstfohlen dürfen nicht für die Zucht verwendet -werden, 2 Prozent werden kastriert und als Reit- und Fahrwallache verwendet, nur 2 Prozent kommen in die Zucht, auch bei den Stutfohlen entsprechen ca. dreiviertel nicht dem Modehaflinger-Typ und landen im Schlachthof.

Fuchsfarben sollen sie sein, Mähne und Schweif völlig weißblond, ein derartiges Superfohlen bringt bis zu 18.000 Euro. Die vielen anderen landen zum Kilopreis von Euro 1,60 auf dem Pferdemarkt. Der größte findet alljährlich in Maishofen in Salzburg statt.

Wie schaut das Leben eines Haflingerfohlens aus?

Haflinger sind beliebt, besonders die Fohlen sind im Sommer willkommene Streicheltiere und Fotomotive auf Almen und Bauernhöfen. Touristen und Kinder freuen sich daran und ahnen nicht, welches Schicksal die meisten der süßen Pferdchen im Herbst erwartet. Denn nach einem kurzen glücklichen Sommer werden Mutterstuten mit ihren Fohlen in den Transporter getrieben und spätestens am Pferdemarkt grausam getrennt. Plötzlich steht das Fohlen mutterseelenalleine auf dem Marktgelände, rundherum Geschrei, Lautsprecher, Bierzeltatmosphäre. Ängstlich und verschreckt wartet es sehnsüchtig, daß die Mutterstute wieder auftaucht. Aber sie kommt nicht mehr. Stattdessen wird das Fohlen zur Versteigerung gezerrt, in einen Transporter geprügelt und ab geht die Reise zur Mast. Aus dem widerlichen Maststall wird das Fohlen ein paar Monate später durch ganz Italien gekarrt, wo es getötet wird.

Bei den Transporten kommt es immer wieder zu Verletzungen, gebrochene Beine und Augenverletzungen sind üblich. Die Schlachtung wird von ungelernten Arbeitern vorgenommen, die pro Minute ein Tier töten müssen. Deshalb sind sie nicht zimperlich, zerren schon einmal zwei Fohlen in die Tötebox, setzen den Bolzenschußapparat an, stechen das Messer in den Hals und werfen den Körper auf das Fließband. Die Fohlen bekommen jedes grausige Detail mit während sie auf ihr eigenes Ende warten. Es ist reinste Barbarei.

Aber Pferdefleisch und –wurst gilt in Italien, Frankreich und Belgien als Delikatesse. Auch bei uns in Österreich wird immer wieder versucht, Spezialitäten aus Pferdefleisch zu vermarkten.

Mit Ihrer Hilfe können wir helfen

Wer einmal einen Blick in einen Fohlentransporter geworfen hat, wird sofort zum Tierschützer. Doch Mitleid alleine hilft den Fohlen nicht. Es darf nicht sein, daß im Namen einer Rassezucht Jahr für Jahr tausende Fohlen direkt für den Schlachthof gezüchtet werden. ANIMAL SPIRIT fordert drastische Zuchtbeschränkungen z.B. durch massive Erhöhung der Deckungsprämien und ein Exportverbot für Fohlen. Helfen Sie uns, indem Sie – zum Beispiel als Sommergast - Betriebe boykottieren, die Haflingerfohlen züchten. Fragen Sie nach, was mit den Fohlen im Herbst geschehen soll. ANIMAL -SPIRIT wird neben der politischen Arbeit weiter Fohlen freikaufen – auch dafür bitten wir Sie um Unterstützung in Form einer Spende.

Im Oktober ist es wieder so weit: Bitte helfen Sie uns, damit wir in Mais-hofen möglichst viele Fohlen freikaufen können.
Herzlichen Dank!

Jedes gerettete Tier ist ein überlebendes Tier

Natürlich löst der Freikauf von Fohlen das eigentliche Problem nicht. Doch wir wollen damit Zeichen setzen, Lebens-zeichen. Im letzten Jahr konnten wir 36 Fohlen und Pferde freikaufen, alle konnten wir sehr gut unterbringen. Dank unserer SpenderInnen, die bereit waren, mitzumachen, haben diese 36 Tiere es geschafft und genießen heute ihr Leben. Sie sind in Sicherheit. Auch heuer hoffen wir wieder auf möglichst großzügige
Unterstützung, immerhin kostet ein Fohlen zwischen 350 und 800 Euro.

Nuja und Nanni 

Die beiden blonden Stutfohlen waren gerade ein halbes Jahr alt. Animal Spirit hat sie einen Tag vor dem Abtransport zum Schlachthof freigekauft. Nach zwei Tagen Erholung am Hendlberg wurden Nuja und Nanni zu einer Familie in die Steiermark gebracht. Dort verfügen sie über einen offenen Stall, eine saftige Weide und sind glücklich. Später hat diese Familie noch das freigekaufte Fohlen Samira aufgenommen.

Leonie und Lotte 

Auch diese beiden Haflingerfohlen waren für den italienischen Mäster vorgesehen, weil sie den dummen Schönheitsidealen des Zuchtverbandes nicht entsprachen. Mutter und Tochter aus Altlengbach haben die beiden aufgenommen, heute leben Leonie und Lotte auf ihrer riesigen Sommer-Fohlenweide bei Lilienfeld.

Sophie 

Das Norikerfohlen mit der Nummer 58 hatte besonders viel Glück. Auf dem von ANIMAL SPIRIT gemieteten Pferdetransporter war gerade noch für ein Fohlen Platz, Sophie hat ihn bekommen und damit wurde ihr das Leben neu geschenkt. Mit vielen anderen Fohlen lebt Sophie bei einem netten Ehepaar im Wienerwald.

Moritz Das Huzulenfohlen ist bei uns am Gnadenhof Arche Noah eingezogen. Unser Norikerwallach Maxi hat sich seiner angenommen, leistet ihm brüderlich Gesellschaft und bringt ihm bei, was ein Pferd lernen muß.

Lexa und Lara 

Die Haflingerstutfohlen mit den Nummern 4 und 7 waren völlig verschreckt auf dem Pferdemarkt gelandet. Ihre „Schönheitsfehler“ hatten auch sie zum Fall für den Salamitransporter gemacht. Dank unserer SpenderInnen kam es anders: heute leben die beiden putzmunter auf einem wunderschönen Hof in Kärnten.

Danke! Wir danken allen von Herzen, die Fohlen aufgenommen haben. ANIMAL SPIRIT kauft die Tiere frei, sucht Plätze bei tierliebenden Menschen, welche die Tiere gegen einen Überlassungsvertrag aufnehmen, sich verpflichten, sie bestmöglich zu betreuen, sie nicht alleine zu halten und sie nicht zur Zucht zu verwenden.
ANIMAL SPIRIT kann jederzeit kontrollieren, wie es den Pferden geht.

Wer wüßte einen oder mehrere gute Plätze für weitere arme Tiere?

Infos bitte an 02774 / 29330.

 

Jetzt brauchen wir wieder viel Geld, um Fohlen zu retten

Der traditionelle Pferdemarkt in Maishofen/Pinzgau steht vor der Tür. Wir wollen auch diesmal möglichst viele Haflinger- und Norikerfohlen vor dem Schlachthof retten und freikaufen. Die Fohlen sollen danach auf verschiedenen Gnadenhöfen oder privat gut untergebracht werden. Natürlich darf sich unsere Arbeit nicht darauf beschränken, Tiere freizukaufen.

Bitte spenden Sie möglichst rasch und so großzügig wie möglich. Danke!

Mit Ihrer Unterstützung und Spende kann ANIMAL SPIRIT

- Fohlen freikaufen

- Fohlen gut unterbringen

- Protestaktionen in Maishofen abhalten

- Politisch arbeiten, um in Zukunft die Zucht zu -beschränken und ein Exportverbot für Fohlen zu erreichen

 

 

Von klein auf!

Seit 13 Jahren unterrichtet Ursula Lisec (UL.) in einer Wiener Ganztagsvolksschule. Seit einem Jahr hält sie zusätzlich Tierschutzvorträge in verschiedenen -Schulen. Damit hat sie ihren Beruf mit einem persönlichen An-liegen, dem Tierschutz verbunden. Die Zusatz-arbeit -leistet sie unentgeltlich. Vielen Dank!

Wie bist du zu diesem Projekt gekommen?

UL: Ich habe selbst einen Tierschutzlehrer in meine Klasse eingeladen und auch den Gnadenhof von -ANIMAL SPIRIT besucht. Danach habe ich beschlossen selbst aktiv zu werden. Lehrer haben in ihrem Unterricht so viele Themen abzudecken. Als „schulfremde“ Vortragende wecke ich grundsätzlich eher die Neugier der Kinder.

Welche Schulen besuchst du?

UL: Ich biete meinen Tierschutzunterricht vor allem an Wiener Pflichtschulen an, komme gerne aber auch zu Pflichtschulen in Niederösterreich.

Wie gestaltet sich dein Tierschutzunterricht?

UL: Auf Einladung eines Lehrers komme ich für ein bis zwei Stunden in die Klasse. Während es bei den 6–8 jährigen eher darum geht, das Tier als fühlendes Lebewesen mit individuellen Bedürfnissen wahrzunehmen, spielt bei den älteren Kindern das Erkennen der Ursachen für Tierquälerei eine größere Rolle. Wichtig ist auf jeden Fall immer, die Kinder nicht zu überfordern und mit ihnen Lösungsansätze gegen Tierquälerei zu erarbeiten.

Wie reagieren die Kinder?

UL: Die Kinder sind immer sehr interessiert aber auch bestürzt, wenn sie zum Beispiel erfahren, daß es schreckliche Tierfabriken gibt und ihr „Schnitzerl“ nicht vom Schwein mit idyllischem Bauernhofambiente kommt, wie sie es aus den verharmlosenden Kinder- und Schulbüchern kennen. Wenn man das Mitgefühl der Kinder anspricht, dann ist es irrsinnig wichtig, mit ihnen sehr behutsam umzugehen und ihnen auch positive Bilder mitzugeben. So habe ich bis jetzt eigentlich immer erlebt, daß die Kinder am Ende der Tierschutzstunde -fragen, wann ich denn wiederkomme

 

Rückfragehinweis:  Dr. Franz-Joseph Plank, (+43) 0676/7082434

Animal Spirit - Zentrum für Tiere in Not
Am Hendlberg 112, A-3053 Laaben
Tel: +43 (0) 2774/29 330
Email: office@animal-spirit.at
Web: www.animal-spirit.at
Spendenkonto: PSK 75.694.953
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