
12.
12. 2006
- EU-Verhandlungen für
Masthühner-Richtlinie gescheitert
Die Tierschutzorganisation ANIMAL SPIRIT ist - gemeinsam mit der
britischen Tierschutzgesellschaft CIWF - sehr bestürzt darüber, daß die
Gespräche zur Durchsetzung einer EU-Richtlinie zum Schutz der Masthühner
("broiler") gestern gescheitert sind. Der Abbruch dieser Verhandlungen
ist v.a. auf die Weigerung von Frankreich, Polen, Tschechien, Ungarn und
der Slowakei zurückzuführen, zumindest dem kleinsten gemeinsamen Nenner
von Tierschutzstandards zuzustimmen.
Tierarzt Dr. Franz-Joseph Plank, Obmann von ANIMAL SPIRIT, dazu: "Der
Abbruch dieser Verhandlungen bedeutet, daß mehr als 5 Milliarden Hühner,
die jedes Jahr in der EU gemästet werden - 64 Millionen davon werden
allein in Österreich jährlich "produziert" und geschlachtet - auch
weiterhin ohne jeglichen gesetzlichen Schutz in den Mastfabriken
dahinvegetieren müssen. Es ist ein Skandal, daß Masthühner, Europas
zahlenmäßig größte "Nutztier"-Art, auch in Zukunft der Willkür der
Agrolobby und Geschäftemacher in der Fleischindustrie ausgeliefert sein
werden. Es wäre dringend notwendig, daß diese Tierschutz-Verhandlungen
für Mastgeflügel schnellstmöglich wieder aufgenommen werden, um endlich
die massiven gesundheitlichen sowie tierschutzrelevanten Probleme zu
regeln."
Praktisch das gesamte Mastgeflügel wird in industriellen Tierfabriken
gehalten. Die Tiere sind in riesige fensterlose Hallen gepfercht, die
zumeist derart überbelegt sind, daß man vor lauter Hühnern den Boden
nicht mehr sehen kann. Bis zu 50.000 broiler werden in solche Hallen
gestopft und in der EU gibt es momentan keinerlei gesetzliche
Grenzwerte. Lediglich das österreichische Tierschutzgesetz schreibt
einen maximalen Besatz von 30 kg/m2 vor, der aber auch keinesfalls den
Mindestbedürfnissen der Tiere entspricht. Zudem sind weder erhöhte
Sitzstangen, noch Rückzugsmöglichkeiten, noch Tageslicht vorgeschrieben.
Das Haupt-Tierschutzproblem der Masthühner ist jedoch, daß sie durch
jahrzehntelange Überzüchtung auf höchste Fleischleistung ihr
Schlachtgewicht in max. 41 Tagen erreichen müssen, das ist ca. doppelt
so schnell wie noch vor 35 Jahren! Die gravierenden Folgen sind, daß die
Beine nicht mit dem schnell wachsenden Körper mithalten können, und
entweder brechen oder die Sehne abgleitet. Daher leiden in der EU jedes
Jahr Zig Millionen von Masthähnchen an schmerzhaften und sehr oft
tödlichen Lähmungen. Eine neue britische Studie belegt, daß über 27 %
der broiler unter schmerzhaften Beinschwächen leiden, die ihre Bewegung
mehr oder weniger stark beeinträchtigen. Auf Österreich übertragen, wo
dieselben Rassen verwendet werden, würde das eine Zahl von 17,5
Millionen kranker Tiere pro Jahr bedeuten!
Rückfragehinweis: Dr. Franz-Joseph Plank, ANIMAL SPIRIT, (+43)
0676/7082434,
Peter Stevenson, CIWF, +44-1750-82321, Mobil: +
Animal Spirit - Zentrum für Tiere in Not
Am Hendlberg 112, A-3053 Laaben
Tel: +43 (0) 2774/29 330
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