Pressemitteilung: Welthungerkrise durch
Fleischkonsum
Derzeit leiden 842 Millionen Menschen an Unterernährung oder Mangel an
gesunden Lebensmitteln. Jede Minute sterben weltweit elf Kinder an
Hunger. Die Verzweiflung der Menschen löst Revolten in Nordafrika,
Asien und Lateinamerika aus – in Haiti stürzt die erste Regierung.
Die Herstellung von Biosprit aus Getreide macht derweil das Auto
zum Nahrungskonkurrenten, Spekulationen mit Agrarrohstoffen und Dürren
durch den Klimawandel sind weitere Ursachen der Krise. Die
Organisation ‚Tierfreunde e.V.’ weist nun darauf hin, dass einen noch
weitaus höheren Einfluss die fortwährend steigende Nachfrage nach
tierischen Lebensmitteln hat. „Fleisch ist Lebensmittelverschwender
Nummer eins“, meint der Vorsitzende Jürgen Foß. Zur Produktion einer
tierischen Kalorie werden rund sieben pflanzliche Kalorien verbraucht.
Siebenmal so viele Menschen können mit der gleichen Getreidemenge
ernährt werden, wenn statt einem Schweineschnitzel ein Weizen- oder
Sojaschnitzel daraus würde. Um die Tiere in der unserer Agrarindustrie
zu ernähren, wird Getreide zu großen Teilen aus Lateinamerika
importiert. Auch für unsere Schweinemästereien und Milchfabriken
brennen dort Regenwälder, um neuen Platz für Futtergetreidefelder zu
schaffen. Jürgen Foß: „Die Politik der reichen Staaten unterstützt
indes weiterhin die tierhaltende Agrarindustrie und kurbelt damit die
Lebensmittelverschwendung an, statt Alternativen zu fördern und
nachhaltige Lösungswege beim Namen zu nennen: Weg von tierischen
Lebensmitteln, hin zu pflanzlichen Alternativen.“
Der weltweite Fleischkonsum ist von 1961 bis heute von 71 Millionen
auf 284 Millionen Tonnen gestiegen. Bis 2050 soll sich der weltweite
Fleischkonsum nochmals verdoppeln. Auch die Nachfrage
nach Milchprodukten ist ungebremst. Bis zum fertigen ‚Produkt’ werden
unverhältnismäßig viele Ressourcen wie Getreide, Wasser und Land
verbraucht. All die Tiere, die in der Agrarindustrie gehalten
werden, müssen fressen und trinken, um wachsen und ihren Stoffwechsel
aufrecht erhalten zu können. Daher bedeutet die Herstellung von
tierischen Produkten einen besonders ineffektiven Einsatz der
vorhandenen Ressourcen gegenüber einer direkten Nutzung zum Anbau
von Menschennahrung statt Futtergetreide.
Der Konsum von Fleisch und anderen tierische Nahrungsmitteln hat
noch weitreichendere Folgen: 30 Prozent der eisfreien Flächen der Erde
werden dafür in Anspruch genommen. Die Fleisch- und Milchproduktion
ist für mehr als 20% der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Ein
Jojo-Effekt, der Dürrekatastrophen und damit eine weitere Verschärfung
der Lebensmittelknappheit zur Folge hat. Darüber hinaus werden für
die Produktion von nur einem Kilo Fleisch tausende Liter Wasser
benötigt. Gleichzeitig sind mehr als zwei Milliarden Menschen nach
Angaben der UNESCO mit Engpässen in der Wasserversorgung konfrontiert.
Die Wissenschaftler der jährlich stattfindenden ‚World Water Week’
in Stockholm bezeichnen die Nachfrage nach Fleisch und Milchprodukten
daher als „nicht nachhaltig“ und empfehlen eine Änderung der
Ernährungsstrategie.
Sinnvolle politische Förderungen müssen weg vom Fleisch auf
eine pflanzliche Kost zielen, statt durch Agrarsubventionen und
staatlicher Propaganda die Tierindustrie zu fördern. Ohne diese
grundsätzliche Änderung unserer Ernährungsstrategie sind alle
Bemühungen dem Welthunger zu begegnen Augenauswischerei.
Harvard-Ernährungswissenschaftler Jean Mayer schätzt, dass durch eine
Reduktion der Fleischproduktion um 10% soviel Getreide eingespart
werden könnte, wie zur Versorgung von 60 Millionen Menschen notwendig
ist. „Voraussetzung zur Bekämpfung des Hungers wäre allerdings auch
die Bereitschaft, die vorhandenen und dadurch freiwerdenden
Nahrungsmittelressourcen auch den Hungerleidenden zukommen zu lassen,
statt damit Auto zu fahren“, meint Foß abschließend.
Jürgen Foß
die Tierfreunde e.V.
http://www.die-tierfreunde.de