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Trailer zum Film
(ab Freitag in österreichischen Kinos)
Es gibt Geräusche,
naturgegebene Melodien, die sich, so wie wir sie einmal
wahrgenommen haben, für immer in unser Gedächtnis brennen. Wie
das Tosen der Meeresbrandung, die gegen den Fels rollt, das
Heulen des Sturms, das wohlige Schnurren einer Katze. Oder aber
das kommuni-kative freundlich-kehlige „Schnattern“ eines
Delphins.
Am Anfang war
„Flipper“...
Es war die TV-Sendung „Flipper“, Quotenhit der
60er-Jahre, die uns den hochintelligenten Meeressäuger in
aufregenden Abenteuern nahebrach-te. Sein heiter anmutendes
Wesen und seine in Eigenregie choreogra-phierte Flossen-Eleganz
sollten ein Millionenpublikum begeistern. Doch der Erfolg des
telegenen Tieres mit Starpotential bekam sehr bald einen schalen
Beigeschmack. |
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Jenen von Blut, das aus purer Geldgier in
widerlichen, von Delfinkillern inszenierten „Seeschlachten“
vergossen wird.
Um Prachtkerle wie „Flipper“ in Delfinarien
publikumswirksam als tierisch-akrobatisches Show-Event zu
präsentieren (besonders schöne, kräftige Exemplare werden für bis zu
150.000 Dollar an Vergnügungsparks verkauft), müssen unzählige
Artgenossen sterben - brutal zusammengetrieben, bedrängt von
mörderischen Fischhaken, durchbohrt von Speeren, stranguliert in
Treibnetzen, bis sich die vom Todeskampf brodelnde See rot färbt.
Massakrierte Kreaturen, die schließlich zum lukrativen Verzehr
feilgeboten werden.
Delfinmassaker in Japan
Diese alljährlichen Delfinmassaker, die besonders dem japanischen
Küstenort Taiji zu verabscheuungswürdiger Bekanntheit verhalfen,
rückt nun ein Mann, dem die friedlichen Tümmler besonders ans Herz
gewachsen sind, ins Blickfeld der Weltöffentlichkeit: Richard
O'Barry. Der ehemalige Trainer von TV-Darling „Flipper“, der sich
seit nunmehr fast 40 Jahren gegen den Fang von Delfinen engagiert,
tat sich mit Regisseur Louie Psihoyos zusammen - und das gegen alle
Hindernisse.
Entstanden ist der schockierende Ökothriller „Die
Bucht“, der das brutale Abschlachten von Delfinen in der schwer
einsehbaren, hermetisch abgeriegelten Blutbucht von Taiji fokussiert
- erschütternde Szenen, die filmisch ganz bewusst einer
kriegerischen Dramaturgie folgen, die aber auch von Bildern, die die
majestätische Eleganz der sensiblen Meeressäuger zeigen,
kontrastiert werden.
Im Stil von „Ocean's Eleven“
Im unkonventionellen Stil des Guerilla-Filmmaking ging ein
Team von Profis wie Elektronikexperten mit zum Teil militärischer
Ausbildung, Taucher und Unterwasserfilmer an dieses streng geheime
Kamikaze-Projekt heran, wobei Nachtsichtgeräte und neuestes
Hightech-Material zum Einsatz kamen. Die konspirative Aktion einer
wilden Truppe, die im Stil von „Ocean's Eleven“ und vereint durch
den Tierschutzaspekt an einem Strang ziehen, freilich mit
verstörendem Resultat.
„Die Bucht“ ist ein Film, der mit dokumentarischer
Unerbittlichkeit das Unbehagen all jener schürt, die sich noch immer
von paradiesischen Bildern exzellenter Naturdokumentationen
einlullen lassen, so als wäre die Schöpfungsgeschichte ein sich
ständig erneuernder Vorgang. Interessant auch der Verweis auf die in
Japan gängig-ignorante Vertuschung wissenschaftlicher Ergebnisse,
wie etwa der für den Menschen extrem gefährliche Quecksilberanteil
im Delfinfleisch!
Sollte dieser unter fast geheimdienstlich-brisanten
Prämissen realisierte Streifen dazu beitragen, dass man im Land der
aufgehenden Sonne das Agrar- und Fischereiwesen überdenkt, dann
hätte diese gespenstische Öko-Doku, die den Publikumspreis beim
Sundance Filmfestival erhielt, eine zumindest heilsame
Schockwirkung. Vielleicht verbunden mit der Erkenntnis, dass unsere
Ozeane keine Aquarien mit unsterblicher Fauna sind. Zudem: Wer einen
Delfin fern von maritimer Zwangsarbeit in beklatschter
Aqua-Zirkus-Atmosphäre nur ein einziger Mal in freier Natur aus dem
Meer hat emportauchen sehen, wird dieses ozeanische Gefühl von
Freiheit nie wieder vergessen
(„Die Bucht“, ab 20. November in
österreichischen Kinos).
von Christina Krisch, Kronen Zeitung
Bilder aus "Die Bucht":
www.krone.at/krone/S49/object_id__19288/hxslide/index.html |