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Heute Freitag,
19:45 Uhr wird auf dem Privatsender PULS 4 in "Talk of Town" eine
Expertenrunde über die derzeit in Wien abgehaltene Volksbefragung u.
a. zur emotionsgeladenen Debatte über den verpflichtenden
Hundeführerschein für sog. "Kampfhunde" diskutieren. Mit dabei
ANIMAL SPIRIT-Obmann Tierarzt Dr. Franz-Joseph Plank (siehe
letzter AS-Newsletter), der
Wiener Tierschutz-Ombudsmann Mag. Hermann Gsandtner, eine
Vertreterin des Kynologenverbandes und Michael Jeannee von der KRONE
(angefragt).
Vorgestern ist zu diesem Thema ein sehr fundierter
Artikel im STANDARD erschienen ("Kampf"-Hundejahre:
Umdenken bei Aufzucht), den wir hier auszugsweise zitieren
wollen (Gender-Endungen wurden der Lesbarkeit wegen weggelassen):
In der emotionsgeladenen Debatte um den
Hundeführschein wird immer noch übersehen, daß nicht die Rasse,
sondern die Sozialisierung eines Hundes sein Aggressionspotenzial
beeinflußt - Von Ursula Aigner
Medial und politisch stellt sich wieder die Frage nach
einer sogenannten Rasseliste bzw. eines für "Kampfhunde"-Halter
verpflichtenden Hundeführscheins. Der Wunsch der Öffentlichkeit nach
Sicherheit ist mehr als verständlich, doch es ist zu bezweifeln, ob
diese sachlich und wissenschaftlich wenig begründete
Anlaßgesetzgebung zielführend ist.
Der Begriff "Kampfhund" stellt keine objektive
Definition der Tatsachen dar, sondern ist ein subjektiv durch
Menschen geprägter Begriff. Welche Rassen oder Individuen diesem
Begriff zuzuordnen sind, unterliegt dem Urteil der Gesetzgebung.
Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse sagt nichts über die
potenzielle Gefährlichkeit aus, da das Konzept der Rasse in der
Hundezucht ein dynamisches ist und nicht etwa ein statisches, wie es
für einen Laien wirken mag. ... Wie viele wissenschaftliche Studien
gezeigt haben, sind Verhaltensmerkmale nur zu einem äußerst geringen
Prozentsatz vererbbar, in Wahrheit spielen der richtige Umgang
des Besitzers mit dem Hund und das Wissen um hundliches Verhalten
eine weitaus gewichtigere Rolle.
Jeder Hund ist potenziell in der Lage zu beißen, schließlich verfügt
er über ein Beutegreifergebiß. Eine vermeintlich größere Beißkraft
als Grund für Hunde-Rassismus heranzuziehen ignoriert viele andere
Tatsachen.
Wo beginnt die Gefahr?
Aber welche Faktoren machen einen Hund nun zu einer "Gefahr"?
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Hunde müssen sich in eine
komplexe Welt einfügen, für die sie nicht von vorneherein
geschaffen sind (Autoverkehr, Menschenansammlungen, Lärm etc.).
... Je schlechter die Sozialisierung und Umweltgewöhnung
erfolgt, desto mehr Verantwortung hat der Besitzer. ...
Zukünftige Besitzer, die sich ungenügend bis gar nicht über
Hundeverhalten informieren und dementsprechend falsch mit dem Hund
umgehen, stellen ein großes Problem dar - auch aus
Tierschutzgründen.
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Besitzer, die mithilfe
des Hundes ihren Status hervorheben möchten. Hier wird eine
"gefährliche" Rasse besonders interessant, vielfach werden bewußt
aggressionsfördernde Maßnahmen getroffen.
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Veraltete
Ausbildungsmethoden, die auf psychischer und physischer
Unterwerfung des Hundes beruhen, oder gar
"Schutzhundeausbildung" stellen ein besonderes Problem dar.
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Die Regelungen der Hundezucht gehen vielfach in
eine falsche Richtung. Nicht nur werden physisch kranke Hunde
als Rassestandard definiert, auch der verantwortungsvolle Umgang
mit Lebewesen wird immer häufiger vernachlässigt.
Maßnahmen zur Sicherheit
Maßnahmen, die den Wunsch nach größtmöglicher öffentlicher
Sicherheit erfüllen, wären folgende:
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Ein verpflichtender
Sachkundenachweis vor der Anschaffung eines Hundes (jedes
Tieres), nach wissenschaftlichen Kriterien, nicht nach dem
"Rangordnungsprinzip". Der Hundeführschein ist nur unzureichend,
aber besser als gar nichts, solange hier nicht rassistisch
vorgegangen wird.
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Eine Richtlinie zur
Hundetrainer-Ausbildung, die Methoden der positiven Verstärkung
beinhaltet und veraltete Methoden nach dem Prinzip der
"Dominanz" verbietet.
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Verbot der
Schutzhundeausbildung.
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Strenge Regelungen
betreffend der Hundezucht. Verbot von Qualzuchten.
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Verbot von Vermehrung.
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Verbot des Verkaufs
von Hunden (Tieren) über "Tierbörsen".
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Aufklärung der
Öffentlichkeit (Schulen: wichtig vor allem für Kinder) über
einen adäquaten Umgang mit Hunden (Tieren).
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Verbindliches Training bei offiziell
anerkannten Trainern.
Unterm Strich sollte der Hundebesitzer in der Lage
sein, den eigenen Hund einschätzen zu können, um Situationen, in
denen der Hund sich bedroht fühlt, zu vermeiden. Per Gesetz den
Leinen- und Maulkorbzwang zu verschärfen erscheint zwar auf den
ersten Blick logisch, aber das Problem wird dadurch in Wirklichkeit
verstärkt.
Gerade durch zu wenig Bewegung und durch den Vorenthalt von
Sozialkontakten und hundegerechter Beschäftigung werden Hunde
gefährlich. Ein Hund, der sich ausschließlich an der Leine
bewegen darf, kann sein Bewegungsbedürfnis niemals stillen. Mittels
eines Maulkorbs wird zusätzlich noch die Kommunikation empfindlich
eingeschränkt. ... Außerdem empfinden viele Hunde den Maulkorb als
Strafe, wodurch sich negative Gefühle aufstauen können, der Hund
generell "gereizter" wird.
Abschließend kann festgehalten werden, daß ein Hund äußerst selten
pathologisch aggressiv ist. Nahezu immer stellt nämlich das
andere Ende der Leine - der Besitzer - das ursächliche Problem dar.
Zur Person:
Autorin Ursula Aigner ist Verhaltensbiologin und Hundetrainerin. |