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26. 05. 2006 - Leserbrief aus Estland
 

Leserbrief aus Estland zum geplanten Bärenmord:

http://www.stern.de/wissenschaft/natur/:Braunb%E4r-Deutschland-Wir/561665.html

Bauernschlau?

Ich bin selbst Landwirtin in Estland und mache mir meine eigenen Gedanken: Haben wir "Bauern" denn nicht der Natur das Land weggenommen, jahrhundertelang davon gelebt, es zu bewirtschaften? Und was haben wir im Gegenzug der Natur gegeben? Womit haben wir diesen Diebstahl an einem funktionierenden Biosystem eigentlich bezahlt? Mit Düngemitteln, Giften, Flächenversiegelung? Kann diese Rechnung denn wirklich aufgehen?

Ich toleriere Schneehasen, die meine Büsche anfressen, Rehe, die mir durch den Elektrozaun rasen, sogar einen Elch, der immer wieder Pfosten "mitnimmt" - und behebe den Schaden eben. Ich sehe es als selbstverständlich an, der Natur für ihre Leihgabe, meine Koppeln, auf diese Weise zu danken. Die Natur ihrerseits schenkt mir Wachtelkönige, seltene Schmetterlinge, Kraniche und Kiebitze. Und wenn ich jetzt in den Sommer Ziegenmelker, Nachtigallen und Käuzchen höre, weiß ich, daß dieser Tauschhandel in jedem Falle mehr bringt als der meiner Nachbarn: die für Europageld giften, spritzen und die Kiebitze vertrieben haben...

Eine Frage am Rande: was wäre denn aus den Schafen geworden, wenn der Bär sie nicht getötet hätte? Sie hätten ja wohl keinesfalls das "ewige Leben" gehabt - im Gegenteil. Es wäre eben der Mensch gewesen, der sie tötet. Und somit geht es wieder nur um Geld. Kann man dem "armen Bauern" die Schafe nicht zahlen und den Bären in Ruhe lassen?
Hier in Estland gibt es auch Bären. Damit kann man durchaus leben. Das ist doch kein Grund, sich so aufzuregen. Ich wette im täglichen Straßenverkehr sterben mehr Schafe als durch den einen Bären...

Ute Wohlrab
Estland

Rückfragehinweis:  Dr. Franz-Joseph Plank, (+43) 0676/7082434

 

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