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24. 03. 2006 - Mailing 02/2006 - Wie Schweine wirklich sind ...

 

(Auch als PDF-Datei mit Fotos zum herunterladen)

 

Wie Schweine wirklich sind

Sprichwörter sind oft die allerdümmsten Vorurteile. Zum Beispiel wenn es um Schweine geht. Die „blöde Sau“ oder das „Dreckschwein“, das immer wieder strapaziert wird, gibt es in Wirklichkeit nicht. Im Gegenteil. Schweine sind besonders intelligente, saubere und sympathische „Nutztiere“. Ihre natürliche Lebenserwartung ist bis zu 20 Jahren.

Von Natur aus haben Schweine einen geselligen, munteren Charakter und sind den ganzen Tag lang auf den Beinen. Bis zu elf Stunden gehen sie ihren vielfältigen Beschäftigungen nach. Sie wühlen mit ihrem Rüssel gerne im weichen Boden, graben eifrig nach Eßbarem, fressen und laufen nach Herzenslust. Wenn sie sich im Schlamm suhlen, tun sie es nicht aus Liebe zum Dreck, sondern betreiben schlau natürliche Parasitenbekämpfung bzw. die Regulierung der Körpertemperatur.

Ihren Lebensraum gestalten Schweine als „Dreizimmerwohnung“, mit separaten Bereichen zum Schlafen, zum Fressen und einem davon möglichst weit entfernten Klobereich, denn Schweine haben eine sehr sensible Nase. Nicht umsonst werden sie zum Trüffelsuchen eingesetzt, wobei sie die tief in der Erde verborgenen Trüffeln erschnuppern.

Wie schlimm muß für diese sauberen, freundlichen und intelligenten Tiere die Haltung sein, in der die meisten von ihnen dahinvegetieren müssen. Allein in einem engen Gitterverhau als Zuchtsau oder auf engstem Raum in Massentierhaltung als Mastschweine. Über fünf Millionen Schweine aus der Intensivproduktion werden jedes Jahr in Österreich geschlachtet, mehr als 40 Millionen sind es in Deutschland, Tendenz steigend. So gräßlich, wie sich das anhört, ist es auch.

Zuchtsauen: Ein Leben in Einzelhaft

Zuchtsauen verbringen den Großteil ihres traurigen Lebens in engen Einzelzellen, die kaum größer sind als sie selbst.

Die Tiere stehen auf kaltem Spaltenboden ohne Einstreu. Die Böden werden nur ab und zu abgespritzt, die reinlichen Tiere müssen daher in Dreck und Schmutz stehen. Gelenke und Klauen entzünden sich, offene Wunden können nicht heilen. Oft sitzen die Schweine wie Hunde auf ihren Hinterläufen, den Kopf gesenkt, die Augen halb geschlossen. Verhaltensforscher bezeichnen diese Haltung als eindeutige Trauerhaltung. Ihr trostloses Dasein treibt die Tiere auch in Verhaltenstörungen wie Stangenbeißen und Leerkauen, bei dem die Tiere stundenlang ihren eigenen Speichel kauen.

Unter diesen unzumutbaren Lebensbedingungen gebären die Zuchtsauen ihre Ferkel, möglichst viele sollen es natürlich sein, damit der Profit groß ist. Nach knapp vier Monaten Tragezeit werden die Muttersauen in die sogenannten Abferkelbuchten getrieben, auch „Eiserne Jungfrau“ genannt. Natürlich auch hier keine Spur von warmem Stroh als Willkommensgruß an die kleinen Schweinchen. Stattdessen müssen die aus Verzweiflung aggressiven Mütter davon abgehalten werden, die eigenen Jungen zu fressen.

Das „großartige“ Rezept: Psychopharmaka. Die Ferkel, welche normalerweise vier Monate bei der Mutter bleiben sollten, werden schon nach drei bis vier Wochen von der Sau weggenommen und in strohlose Bunker gesteckt. Bereits in der ersten Lebenswoche werden ihnen die Eckzähnchen abgeschliffen und die Schwänzchen abgeschnitten, damit sie sich nicht gegenseitig anknabbern, die männlichen Ferkel werden im Fließbandverfahren kastriert. All das ohne Narkose!

Turbomast im Rekordtempo

In vollgepferchten Tiertransportern geht es dann – oft hunderte Kilometer weit – in einen der hoch spezialisierten Mastbetriebe. Und wer bis dahin überlebt, wird weiter gequält. Wie lange darf wohl ein Schwein brauchen, um das Schlachtgewicht von rund 110 Kilo zu erreichen? Nach drei bis vier Wochen Säugezeit noch maximal fünf Monate. Dieses kurze Leben verbringen Mastschweine in Boxen, die jedem Schwein nur 0,2 bis 0,7 m2 Platz bieten – beinahe wie in einer Sardinienbüchse. Selbstverständlich finden sich auch hier die schmerzhaften harten Vollspaltenböden.

Die Folge der katastrophalen Haltebedingungen sind Lungenkrankheiten, ausgelöst durch die Konzentration von Ammoniak in den verdreckten Buchten, Nasenverkrümmungen, Muskeldegenerationen, Klauen- und Gelenksverletzungen und Kannibalismus: Aus lauter Verzweiflung fressen sich die halbwahnsinnigen Tiere gegenseitig an. Die Folge sind eitrige Entzündungen bis hin zu riesigen Abszessen im Rückenmark, die zur Querschnittslähmung führen, die Tiere können dann oft nur mehr auf den Vorderbeinen dahin robben.

Schweinchen Babe landet am Spieß

Wie in jeder Zuchtindustrie fällt auch in den Schweinefabriken „Abfall“ an. Das sind die männlichen Ferkel bei der „Produktion“ von Hochleistungs-Zuchtsauen und die sogenannten „Kümmerer“ aus der Schweinemast, zarte, mickrige Ferkel die nicht schnell genug wachsen. Beiden ist gemeinsam, daß ihre Mast nicht schnell genug voranginge, sie länger gefüttert werden müßten um das übliche „Schlachtgewicht“ zu erreichen und daher zu teuer kämen.

Aber wohin mit den süßen kleinen Schweinchen, die nicht schnell genug Speck ansetzen? Die Lösung ist eine Marketingidee, das Spanferkel. „Span“ bezeichnet ursprünglich die Zitze der Muttersau, das heißt, ein Spanferkel ist noch nicht von der Mutter entwöhnt, es ist ein Säugling. Um Profit zu maximieren, werden Spanferkel als Partygags oder „lustiges“ Geschenk verkauft.

Bereits drei bis sechs Wochen nach ihrer Geburt werden die kleinen Schweinchen ihrer neuen „Bestimmung“ zugeführt. Da sich auch dieses Geschäft prächtig entwickelt, gibt es inzwischen bereits Unmengen an Ferkeln, die nur geboren werden, um als Spanferkel umgebracht zu werden.

Das sogenannte vorbildliche Tierschutzgesetz

Das neue Tierschutzgesetz wird oft gepriesen, in Wirklichkeit ist es aber oft das Papier nicht wert, auf dem es steht. Denn mittels Verordnungen können und werden – gerade in der Intensivtierhaltung – jede Menge Ausnahmen gemacht. So ist es zwar ganz allgemein verboten, einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen oder einem Tier Leistungen abzuverlangen, sofern damit offensichtlich Schmerzen, Leiden, Schäden oder schwere Angst für das Tier verbunden sind. Gleichzeitig ist aber in der Praxis ein Platzangebot von nur 0,2 bis 0,7 m2 für Mastschweine möglich, sind Einzelstände für Zuchtsauen erlaubt, darf jeder brutale Mensch, der sich dazu berufen fühlt, innerhalb der ersten 7 Tage ein Ferkel kastrieren, ihm das Schwänzchen abschneiden, seine Zähne schleifen. Also alles nur Gerede. Denn per Verordnung gibt es für „Nutztiere“ je nach Bedarf der Agrarindustrie unzählige Ausnahmen. Den Schweinen hat das neue Tierschutzgesetz also so gut wie nichts gebracht.

Das „wilde“ Schweineleben

Wildschweine haben ausgeprägte Sozialstrukturen und leben in einer sogenannten Rotte. Ganz im Gegenteil zum Irrglauben vieler Menschen ist diese Rotte nicht ein bunt zusammengewürfelter Haufen, sondern die Tiere sind in der Regel miteinander verwandt. In einem Forschungsprojekt in Schweden wurden Hausschweine in freier Wildbahn jahrelang sich selbst überlassen um zu beobachten, ob sie noch über die gleichen natürlichen Verhaltensweisen wie ihre wild lebenden Artgenossen verfügen. Das Ergebnis: Hausschweine leben gemäß ihren Instinkten in sozialen Gruppen von drei bis sechs Sauen, gemeinsam mit ihren Ferkeln. Das schwangere Schwein zieht sich kurz vor der Geburt zurück um ihre Jungen in Ruhe zur Welt bringen zu können. Dazu baut sie unter großer körperlicher Anstrengung ein weiches Nest aus vielen Blättern und Farnen. Die Sau geht äußerst behutsam und liebevoll mit ihren Kindern um und kehrt erst nach einer Woche zur Rotte zurück. Wie alle Wildschweine sind auch Hausschweine sehr verschmust und zuneigungsbedürftig. Körperkontakt ist ihnen sehr wichtig. Soziales Verhalten lernen die Ferkel durch Nachahmung. Unsere Hausschweine leben und verhalten sich also wie ihre wilden Artgenossen – wenn man sie nur läßt.


Was ANIMAL SPIRIT für Schweine tut

Auch wenn die herrschenden Verhältnisse übermächtig erscheinen, kämpft ANIMAL SPIRIT unermüdlich für eine bessere Zukunft der Schweine. Die furchtbaren Bedingungen in der Intensivtierhaltung müssen endlich abgeschafft und ohne Ausnahmen verboten werden. Das Tierschutzgesetz darf kein leeres Gerede sein, sondern muß den Schweinen die unsagbaren Qualen ersparen, unter denen sie bis heute leiden.

Wir fordern

»  ein gänzliches Verbot der Einzelhaltung von Sauen

»  ein Verbot der Kastenstände („Eiserne Jungfrau“)

»  ein Verbot der tierwidrigen Spaltenböden sowie

»  ein Verbot aller schmerzhaften Eingriffe bei Ferkeln ohne Narkose

 

Eine Protestunterschriftenliste finden Sie hier

 

Durch Öffentlichkeitsarbeit, Aktionen und Lobby, Arbeit für den Tierschutz und insbesondere für Schweine wollen wir diese Ziele erreichen. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende!

Möchten Sie ein glückliches Schwein sehen?

Den Schweinen vom Gnadenhof Arche Noah ist ihr Glück sofort anzusehen. Erich, Emma und Eva leben munter und zufrieden in ihrem Erdbunker im Wald. Sogar den Winter verbringen sie dort und sie strotzen nur so vor Gesundheit. Außerdem machen noch die zwei Hängebauchschweine Black Jack und Rudi Rüssel sowie Ferkel Simone den Gnadenhof unsicher. Diese drei sind in der ehemaligen Pferdebox untergebracht, in der sie sich sauwohl fühlen. Simone, das kleine zarte Ferkel, das im Herbst 2005 zu uns gebracht wurde, war ein Hochzeitsgeschenk und hätte eigentlich als Spanferkel am Spieß enden sollen. Doch ihre neuen Besitzer brachten sie zu uns auf den Gnadenhof. Als Simone auf die Arche Noah kam, war sie ein verängstigtes dünnes Schweinebaby. Über den Winter hat sie sich zu einem quietschvergnügten und kerngesunden Ferkel mit ordentlich Winterspeck entwickelt. Mittlerweile betrachtet sie den ganzen Hof als ihr Hoheitsgebiet und flitzt den lieben langen Tag munter durch die Gegend. Und in der Nacht kuschelt sie sich entweder in ihr gemütliches, mit viel Stroh ausgelegtes Häuschen oder schmiegt sich schon mal an die alte Eselin Paulina.

Besuchen Sie Simone, sie freut sich. Wir freuen uns auch! Und damit wir auch sicher Zeit haben, Sie herumzuführen, bitten wir um telefonische Anmeldung:
Tel. 02774 / 29330 oder 0676-575 18 60

Spenden bitte auf: PSK Konto: 75.694.953 · BLZ 60000

Danke!

 

Rückfragehinweis:  Dr. Franz-Joseph Plank, (+43) 0676/7082434

 

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