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04. 06. 2006 - Pfingstgedanken zum Thema Kirche und Tierschutz
 

"Es ist ein tiefes Paradox in der Theologie-Geschichte des Abendlandes, daß wir die Nähe und Verwandtschaft von Mensch und Tier uns beibringen lassen müssen von den Naturwissenschaften" (Eugen Drewermann)

Die Autorin beschäftigt sich mit der Rolle der Tiere in den verschiedenen Religionen. Warum spricht ihnen das offizielle Christentum jegliches "Recht" ab? Warum stellt sich der Mensch ÜBER das Tier? Wie kam es, daß der Mensch die Lizenz zum Ausbeuten & Unterwerfen bekam?

Im Zuge der umfangreichen Lektüre ist sie auf den Theologen Eugen Drewermann gestoßen - endlich ein "Mann der Kirche", der auch den Tierschutz für erachtenswert hält und sich nicht als "Krone der Schöpfung" von unseren Mitlebewesen distanzieren möchte - im Gegenteil! Außerdem plädiert er für den Vegetarismus - leider eine seltene Ausnahme in Kirchenkreisen:

http://www.dike.de/akut/Texte/predigt01.htm

Anbei ein kleiner Auszug:

"Allzulang und bis in den heutigen Tag hinein hat man uns versichert, zum Christenglauben gehöre die Meinung, daß wir in gewissem Sinn einzigartig dastünden im Gesamt des Kosmos und auf diesem Planeten. Es war Teil unserer Auferstehungshoffnung zu versichern, daß nur wir eine unsterbliche Seele besäßen und nur wir, die Vernunftbesitzenden, teilhaftig werden könnten eines Glaubens, der uns rechtfertige in Christus und teilhaftig mache an seiner Auferstehung."

außerdem:

"Es ist nicht wahr, daß - wie Anthropologen behaupten - wir auf Fleischnahrung unserer ganzen Biologie nach ausgerichtet wären. Ein kleines Beispiel kann zeigen, wie unterschiedlich wir sind. Wenn ihre Katze über einen Weg läuft und hört Rascheln oder sieht irgendwo eine Maus, wird sie sofort das Jagdverhalten annehmen, das ihr Instinkt in ihr gebietet. Wenn Sie mit einem Kind über einen Waldweg gehen, und es sieht im Schattenspiel des einfallenden Lichtes ein Eichhörnchen an einem Stamm, würde dann ein Kind darauf kommen, es zu haschen, um es zu zerreißen und zu töten? Wenn es ihm nachliefe, dann im Glück und in Freude, um es zu streicheln. Das ist uns Menschen angeboren.

Die Menschen, die noch heute davon leben, daß sie töten müssen, in der Kalahari oder am grönländischen Packeis, wirkliche Jäger haben ihre Skrupel, wenn sie Tiere töten. Ihnen erscheinen sie immer noch wie etwas Göttliches, das zu zerstören kein Recht besteht. Sie bitten um Vergebung, wenn sie es tun müssen. Wir, die wir es nicht müssen, welche Vergebung kann uns zuteil werden?

Es ist ein tiefes Paradox in der Theologie-Geschichte des Abendlandes, daß wir die Nähe und Verwandtschaft von Mensch und Tier uns beibringen lassen müssen von den Naturwissenschaften.

Ein Gedanke, der in den asiatischen Religionen beheimatet ist und dort nie einen Konflikt gebildet hätte - der Entwicklungsgedanke - führte im Abendland nicht nur zu jahrzehntelangen, jahrhundertelangen Abwehrkämpfen der Theologen, sondern war implizid ein Argument des Atheismus."

Ich wünschte, es gäbe mehr von seiner Seite - nicht nur, aber vor allem in der Kirche!

Judith Rüstmann

 

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