
18.
02. 2008 -
150 Rinder auf Transportschiff verendet! Profit um jeden Preis -
staatliche Kontrollen versagen!
Nachfolgend Auszüge eines aktuellen SPIEGEL-Artikels
über Tier-Ferntransporte, der einmal mehr die Profitgier der beteiligten
Menschen und die leidvolle Situation der gequälten Opfer beschreibt.
Erschütternd ist auch das altbekannte Versagen bzw. Ausbleiben
politischer Korrektive. Eine ähnliche Beschreibung der unhaltbaren
Zustände und Behördenwillkür steht im kürzlich erschienenen und
lesenswerten Buch von Hermann Focke "Tierschutz in Deutschland", das
anschaulich die Unwilligkeit bzw. Hartherzigkeit des Staates in
Tierschutzbelangen belegt (zu beziehen auch bei ANIMAL SPIRIT,
office@animal-spirit.at für
Euro 17,80):
17. Februar 2008, VIEHTRANSPORTE PER SCHIFF
Seeweg zum Schlachthof. Von Andreas Molitor
Geschäftsmodell Tierquälerei: Beim globalen Handel mit Vieh zählt nur
der Profit. Wochenlang harren Rinder oder Schafe qualvoll auf Schiffen
aus, bevor sie zum Sterben an Land kommen - notfalls auf gebrochenen
Beinen.
Es ist der zwanzigste Tag ihrer Jungfernfahrt, als die Geschehnisse an
Bord der MV "Becrux" außer Kontrolle geraten. Auf dem italienischen
Tiertransportschiff, das im Auftrag des australischen Viehexporteurs
Wellard Rural Exports unterwegs von Portland nach Saudi-Arabien ist,
sind in den vergangenen zwei Tagen mehr als 150 Rinder an Hitzestress
verendet.
Die extreme Witterung ist für das Massensterben verantwortlich, gegen 40
Grad Hitze und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit kommen auch die Ventilatoren
nicht an. Einen technischen Defekt an Bord des Schiffes hat es nicht
gegeben. Dutzende Tiere siechen in den Boxen in ihrem eigenen Kot dahin,
zu schwach zum Aufstehen, Fressen und Trinken. Auch sie werden sterben.
In manchen Boxen kommen die Tiere nicht an die Wassertröge, weil Kadaver
davorliegen.
Der Kapitän befiehlt: "Schafft die Kadaver von Bord!" Rund um die Uhr
sind die "Entsorgungsteams" in beißendem Güllegestank im Einsatz, doch
mehr als zwei bis drei Kadaver in der Stunde können sie mit der
Seilwinde nicht über Bord hieven. Stündlich sterben aber jetzt vier bis
fünf Tiere. Die MV "Becrux" verwandelt sich in ein Leichenschiff.
"Die Bedingungen auf dem Schiff waren äußerst unangenehm", wird es
später im offiziellen Untersuchungsbericht der für Viehtransporte
zuständigen Aufsichtsbehörde Australian Quarantine and Inspection
Service (Aqis) zurückhaltend heißen, "überall roch es nach Verwesung."
Aus dem Bericht geht auch die Todesbilanz jener Fahrt im Juni/Juli 2002
hervor. 614 von 1977 Rindern an Bord überlebten den fast vierwöchigen
Transport nicht, weitere 200 Tiere starben in den Tagen nach der
Entladung.
Die Tragödie auf der MV "Becrux" blieb kein Einzelfall. Zehntausende
Rinder und Schafe verendeten zwischen Mitte 2002 und Ende 2003 auf ihrem
Weg von Australien in den Mittleren Osten. Vor allem die Odyssee der
"Cormo Express" im Sommer 2003 erregte weltweit öffentlichen Protest.
Mehr als zwei Monate lang kreuzte das Schiff mit fast 58.000 Schafen an
Bord im Arabischen und im Roten Meer, weil zunächst Saudi-Arabien und
dann nacheinander alle Staaten des Mittleren Ostens wegen angeblichen
Krätzebefalls die Anlandung verweigert hatten. Normalerweise sind die
Tiere während des Transports nur wenige Tage den hohen Temperaturen in
der Golfregion ausgesetzt, im Fall der "Cormo Express" waren es neun
Wochen. Mehr als 5600 Tiere verendeten in der Gluthitze. Die
überlebenden Schafe gingen schließlich in Eritrea an Land.
Die an Bord erstickten, verdursteten oder zerquetschten Tiere finden als
"Mortalitätsrate" Eingang in die Kalkulation der Schlachtviehexporteure.
Aus ihrer Sicht sind Viehtransporte vorrangig ein logistisches Problem.
Das Transportgut Tier, je Kilo Lebendgewicht abgerechnet, muss in
möglichst gutem Zustand am Bestimmungsort ankommen. Am besten ohne
Gewichtsverlust, auf vier Beinen laufend, ohne Knochenbrüche und offene
Wunden. Zumindest aber lebend. Jedes Rind, das an Bord eines
Viehtransporters verendet, bedeutet für den Exporteur einen
Einnahmeausfall von rund 200 US-Dollar, ein totes Schaf kostet etwa 75
US-Dollar.
Der Transport von Rindern, Schafen, Pferden und Ziegen ist Teil des
weltumspannenden Geschäfts mit Lebendvieh. Gezüchtet und gemästet werden
die Tiere dort, wo die Produktion zu den geringsten Kosten möglich ist.
Anschließend müssen sie transportiert werden, damit sie in ihren
Bestimmungsländern von der "Produktphase Tier" in die "Produktphase
Fleisch" übergehen, also geschlachtet, verarbeitet und gegessen werden.
Nicht selten sind die Tiere, Rinder zu Tausenden, Schafe zu
Zehntausenden, drei Wochen und mehr an Bord zusammengepfercht. Von
Australien aus werden Schlachtrinder vor allem nach Indonesien, auf die
Philippinen und nach Malaysia verschifft; die Schaftransporter nehmen
fast ausnahmslos Kurs auf die Staaten des Mittleren Ostens: an erster
Stelle Saudi-Arabien, gefolgt von Kuwait und Jordanien. Brasilien
wiederum, mittlerweile der weltweit größte Rinderexporteur, hat sich auf
die Ausfuhr von Schlacht- und Zuchtrindern vorrangig in den Libanon
spezialisiert.
Insbesondere die große Nachfrage der Staaten des Mittleren Ostens nach
lebendem Schlachtvieh nährt die Exportbranche. Dort ist dasrituelle
Schlachten, das sogenannte Schächten, nach wie vor weitverbreitet.
Tiefgefrorenes Fleisch von Tieren, die in ihren Herkunftsländern nach
anderen Methoden geschlachtet wurden, akzeptieren weder die Importeure
noch die Verbraucher. Darüber hinaus fehlt es an Kühlkapazitäten. Der
Großteil des Fleisches von eingeführten Rindern und Schafen wird gleich
auf Märkten im Mittleren Osten verkauft, also in der gesamten Kette von
Schlachtung bis Verzehr kein einziges Mal gekühlt.
Für die Erzeugerländer ist der Handel mit lebendem Schlachtvieh ein
profitträchtiges Geschäft. In Australien beispielsweise erwirtschaftet
die Branche jährlich rund 900 Millionen US-Dollar und bietet nach
eigenen Angaben 9000 Arbeitsplätze. Im Jahr 2006 verschifften etwa 80
Exporteure mehr als vier Millionen Schafe und 600.000 Rinder.
Industrielle Fleischerzeugung endet in Transporten, die gleichfalls den
Bedingungen der Massenproduktion folgen. Alle Möglichkeiten der
Kosteneinsparung werden genutzt. Je mehr Tiere auf einem Schiff
untergebracht werden können, desto geringer sind die Transportkosten je
Kilo Schlachtfleisch. "Tierschutzstandards werden von vielen Exporteuren
als Problem angesehen", resümiert Meat & Livestock Australia, die
Lobbyorganisation der australischen Fleischproduzenten, "sie treiben die
Kosten nach oben, ohne zu höheren Verkaufspreisen zu führen."
Bei einem Transport von 80.000 Schafen sterben im Schnitt 720 Tiere an
Bord.
Wohin diese Sichtweise führt, hat insbesondere der Filmautor Manfred
Karremann immer wieder dokumentiert, zuletzt vor zwei Jahren in der
ZDF-Reportage "Endstation Beirut". Karremann zeigt, wie Rinder nach dem
Transport von Südfrankreich übers Mittelmeer bei der Ankunft in Beirut
an einem gebrochenen Vorderbein aufgehängt, mit einer Seilwinde vom
Schiff gehievt und auf die Ladefläche eines Lastwagens fallen gelassen
werden. Später müssen sie auf gebrochenen Beinen die letzten Meter vom
Lkw in den Schlachthof hinter sich bringen.
In Beirut weiß man sich offenbar nicht anders zu helfen als mit dem
Kran. "Alle Tiere müssen lebend von Bord, auch mit gebrochenen Beinen",
erzählte der Hafentierarzt zwei Aktivistinnen der Tierschutzorganisation
Animals Angels, die vor zwei Jahren die Zustände in Beirut überprüften.
Deren Forderung, die schwer verletzten Tiere doch besser an Bord zu
töten, anstatt sie weiter zu quälen, konterte Bassam Spiridon El
Murr, einer der größten libanesischen Schlachtviehimporteure, mit einer
Mischung aus Geschäftssinn und Zynismus: "Kein Problem - wenn Animals
Angels mich für den Verlust entschädigt." Tote Tiere nehmen die
Schlachthöfe in Beirut nun einmal nicht an.
Die Karremann-Filme lösten europaweit starke Proteste gegen das
massenweise Verschiffen lebender Tiere aus. Und der Kampf der
Tierschützer führte, zumindest in der Europäischen Union, zum Ziel: Ende
2005 strich die EU-Kommission die bis dahin gezahlten Exportsubventionen
für lebende Schlachtrinder ersatzlos. Der Viehexport aus der EU in den
Mittleren Osten brach daraufhin fast völlig zusammen.
Begonnen hatte er in großem Maßstab vor mehr als 20 Jahren. Nach dem
Fall des Eisernen Vorhangs erlebte die Ausfuhr von Schlachtrindern
Anfang der neunziger Jahre einen kurzen, heftigen Boom. Deutschland
verschiffte jährlich rund 100.000 Schlachtrinder allein in den Libanon.
Fleischbarone wie Willi März und Alexander Moksel, in Sachen Schlachten
und Verarbeitung stets vorneweg, verfrachteten damals Vieh aus den
niedergehenden LPG und Kolchosen Osteuropas vor allem in den Mittleren
Osten, nach Marokko, Algerien, Libyen, in den Libanon und in die Türkei.
Für den Transport suchten sie sich Generalunternehmer, die die komplette
logistische Kette organisierten vom mecklenburgischen
Genossenschaftsbauern bis zum türkischen Schlachthof.
Anders als die EU setzt Australien, gemessen an der Zahl der Tiere
weltweit Viehexporteur Nummer eins, weiterhin auf die Ausfuhr von
lebendem Schlachtvieh. Das mediale Desaster nach der Todesfahrt der
"Cormo Express", die Häufung von Transporten mit Tausenden toten Tieren
in den Jahren 2002 und 2003 und der anschließende weltweite Protest
haben allerdings das Problembewusstsein gefördert - auch das der
Exporteure. "Wir brauchen Resultate beim Tierschutz, die von der
Öffentlichkeit akzeptiert werden", fordert der Lobbyverband Meat &
Livestock Australia, "ansonsten ist die Zukunft des Exports von
Lebendvieh gefährdet."
Über jeden Transport wird penibel Buch geführt, jedes tote Tier wird
erfasst. Einmal im Jahr veröffentlicht Meat & Livestock Australia eine
"Mortalitätsstatistik", einen umfangreichen Bericht mit Sterberaten,
aufgeschlüsselt nach Tierarten, Abfahrts- und Bestimmungshäfen,
Jahreszeiten und Schiffen. Im Jahr 2006 verendeten 0,18 Prozent der
600.000 per Schiff ausgeführten Rinder und 0,9 Prozent von vier
Millionen verschifften Schafen. Bei einem Transport von 80.000 Schafen
sterben also im Schnitt 720 Tiere an Bord.
In den meisten Export-Staaten gibt es überhaupt keine gesetzlichen
Standards.
Sogar erklärte Tiertransportgegner zollen dem detaillierten
australischen Regelwerk Respekt. "Australien hat international die
strengsten Auflagen zum Schiffstransport von Tieren", konstatiert
Animals Angels. Die EU-Bestimmungen beispielsweise seien in wichtigen
Punkten - darunter die Beladung des Schiffes mit Tieren, ihre Versorgung
mit Futter und Wasser und ihre Überwachung während des Transports - weit
weniger konkret.
In den meisten Exportstaaten existieren überhaupt keine gesetzlichen
Standards zum Transport der Tiere auf Schiffen. Meat & Lifestock
Australia evaluierte kürzlich seine Hauptkonkurrenten auf dem
Schlachtviehexportm arkt und fand in Brasilien und Argentinien, in
Uruguay und Mexiko keinerlei konkrete Hinweise auf ein Regelwerk. Über
die afrikanischen Staaten heißt es aus australischer Perspektive nur
resignierend, dass Tierschutz dort "keine hohe Priorität genießt" und es
von daher kaum Anlass gebe, "Standards zum Transport von Tieren in
irgendeiner Form zu entwickeln".
Den extremen klimatischen Bedingungen in der Golfregion sind allerdings
auch moderne Schiffe fast schutzlos ausgesetzt. Wenn bei Temperaturen
von 40 Grad Celsius, hoher Luftfeuchtigkeit und Windstille die
Ventilation der Ladedecks ausfällt, ist das Massensterben auch mit einem
Tierarzt an Bord nicht mehr aufzuhalten. So geschehen im August 2002 auf
der MV "Corriedale Express" im Golf von Oman. Durch einen Ausfall des
Generators fiel die komplette Ventilation fünf Minuten lang aus, danach
arbeitete sie noch eine Stunde mit verringerter Leistung. "Von dem
Ausfall der Ventilation und dem damit verbundenen Sauerstoffmangel
konnte sich der Viehbestand körperlich nicht mehr erholen", sagt der
Aqis-Untersuchungsbericht. Im Klartext: Mehr als 6000 Schafe erstickten
qualvoll.
Die großen Schlachtviehcarrier, allen voran die zur niederländischen
Reederei Vroon gehörende Dens Ocean, sind - nach eigenem Bekunden - auch
an strengste Bestimmungen bestens angepasst und müssen keine Kontrollen
fürchten. Einige Schiffe wurden von der Meyer-Werft in Papenburg von
Container- auf Tierfracht umgerüstet. "Tierschutz hat für uns höchste
Priorität", erklärt das Management der Flotte, die im vergangenen
Jahrzehnt 15 Millionen Schafe aus Australien in den Mittleren Osten
transportiert hat, "die Offiziere und Mannschaften an Bord unserer
Schiffe stehen dafür persönlich ein."
Zweifel sind angebracht. Auch die derzeit 15 Dens-Ocean-Viehfrachter
bringen es auf ein Durchschnittsalter von immerhin 19 Jahren. Einige der
Schiffe, die Vroon vor knapp vier Jahren von einer Reederei in Singapur
gekauft hat, standen bis dato in äußerst zweifelhaftem Ruf und wurden
wegen schwerwiegender technischer Mängel wiederholt von den
australischen Hafenbehörden festgehalten.
Der neue Eigentümer hat den Schiffen erst einmal, wohl aus unternehmens-
hygienischen Gründen, neue Namen verpasst. So hieß die "Jersey Express"
früher "Janet 1"; in einem Inspektionsreport von Animals Angels aus dem
Jahr 2003 wurde sie wegen ihres insgesamt bedenklichen Zustands in der
Kategorie "indiskutabel" geführt. "Ein ganz schlimmes Schiff", schreiben
die Tierschützer. Was die Exporteure aber nicht davon abhält, den
Laderaum bis zur letzten Ecke mit Rindern zu füllen. "Die Tiere litten
unter Hunger und Durst. Die Boxen waren völlig überfüllt, die
schwergewichtigen Bullen lagen in ihren Exkrementen. " Ein anderes
Schiff, die "Dealco 1", heute als "Hereford Express" für Dens Ocean
unterwegs, wurde ebenfalls im Jahr 2003 wegen beengter Platzverhältnisse
und ungenügender Ventilation als "komplett ungeeignet für den Transport
von Tieren" eingestuft. "Die Rinder auf der vierten und fünften
Ladeebene litten unter extremer Hitze und hohem Ammoniakgehalt der
Luft", befand Animals Angels. "Der Kot stand bis zu zehn Zentimeter
hoch."
Auch ein Schiff namens "Merino Express", mit 28 Jahren das älteste der
Flotte, findet sich im Dens-Ocean-Schiffsp ortfolio. Hier tat die
Umbenennung besonders not. Vorher hieß der Viehfrachter nämlich "Cormo
Express". Mit dem "Todesschiff" und seiner wochenlangen Odyssee mit
58.000 Schafen an Bord hätten wohl auch hartgesottene Viehexporteure
nichts mehr zu tun haben wollen. Mittlerweile verrichtet das Schiff
wieder profitable Dienste auf der Route von Australien in den Mittleren
Osten.
Die strengen gesetzlichen Bestimmungen in Australien werden in der
Praxis offenbar nicht immer konsequent gehandhabt. Nach der Häufung von
Transporten mit hohen Verlusten in den Jahren 2002 und 2003 inspizierte
Aqis 13 Exporteure, auf deren Schiffen auffallend viele Tiere verendet
waren. Nur in einem einzigen Fall wurde eine Exportlizenz entzogen. Als
im Jahr 2006 auf einem Transport von Australien nach Israel 248 Rinder
verendeten, die meisten an Infektionen, brachte die anschließende
Inspektion katastrophale hygienische Bedingungen an Bord des Schiffes
zutage. Gegen den Exporteur wurde ein Ausfuhrverbot verhängt - für
gerade zwei Monate.
Die tierärztliche Kontrolle vor der Abfahrt der Schiffe lässt in der
Praxis offenbar ebenfalls zu wünschen übrig. Die Veterinäre verlassen
sich in der Regel auf die Angaben der Exporteure. "Außerdem haben sie
meist nicht genug Zeit zu überprüfen, ob beispielsweise die zulässige
Ladedichte an Bord eingehalten wird", kritisieren die australischen
Tiertransportgegner von Live Export Shame. Dazu müssten sie die Zahl der
laut Ladedokumente zum Transport vorgesehenen Rinder oder Schafe mit der
tatsächlichen Anzahl verladener Tiere vergleichen - was nur selten
geschieht. Live Export Shame befürchtet, dass die Aqis-Veterinäre "im
Wesentlichen Häkchen an eine Liste machen". In einem Fall, so kam
heraus, hatte der Tierarzt eigene Rinder an Bord des Schiffes, das er
kontrollieren sollte.
Auch in Europa bewirken Sanktionen offenbar wenig. Im November 2004
kippte ein Lkw-Hänger auf einer Fähre von Barcelona ins italienische
Civitavecchia bei stürmischer See um; elf von 13 Pferden verendeten
qualvoll. Die Behörden stellten anschließend mehr als ein halbes Dutzend
Verstöße gegen EU-Bestimmungen fest. Vor allem die Art der Beladung des
Anhängers - die Pferde auf der unteren Ebene, 33 Rinder darüber -, die
riskante Überfahrt bei starkem Seegang ohne ausreichende Sicherung des
Lastzugs und die lange Transportzeit ohne Pause verstießen massiv gegen
EU-Direktiven.
Animals Angels forderte daraufhin, der Transportfirma Montalban die
Lizenz zu entziehen, merkte aber resignierend an: "Der Entzug der Lizenz
bringt in der Regel wenig. Entweder ändert die Firma schnell ihren Namen
oder sie vermietet ihre Fahrzeuge an andere Unternehmen, die in der
gleichen Weise arbeiten."
Andreas Molitor, Jahrgang 1963, lebt in Berlin und
schreibt vor allem für das Wirtschaftsmagazin "brand eins". Seine
Recherche machte ihm klar, wie hoch der Preis der weltweiten
Verfügbarkeit von preiswertem Frischfleisch ist.
URL:
http://www.spiegel. de/wirtschaft/
0,1518,533052, 00.html
ZUM THEMA AUF SPIEGEL ONLINE:
Fotostrecke: Der Tod fährt immer mit
http://www.spiegel. de/fotostrecke/
0,5538,28802, 00.html
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