
08.
01. 2007
- Neue EU-Verordnung
zu Tiertransporten
Trauerspiel Tiertransporte:
Das Gleiche gilt leider auch zu 100 % für
Österreich...
taz vom 6.1.2007, Leitartikel:
KOMMENTAR VON MALTE KREUTZFELDT
Bei der neuen EU-Verordnung zu Tiertransporten hat sich keiner der
Beteiligten mit Ruhm bekleckert. Für die Europäische Union ist das
Regelwerk ein Armutszeugnis. Trotz klarer wissenschaftlicher
Stellungnahmen und gegen Mehrheiten in Europas Parlament und in der
Bevölkerung konnten sich die Mitgliedstaaten nicht auf strengere
Vorgaben zu der Dauer und den Bedingungen von Tiertransporten einigen.
Dass jetzt das Verbot von Fußtritten und Schlägen mit Eisenstangen als
Erfolg herausgestellt werden muss, sagt eigentlich schon alles.
Eine Blamage ist die Verordnung für die EU-Kommission und die deutschen
Bundesländer. Obwohl sie mehr als zwei Jahre Zeit hatten, haben sie es
völlig versäumt, sich rechtzeitig auf verbindliche und einheitliche
Vorgaben für die neue, satellitengestützte Kontrolle zu einigen. Dadurch
existiert der wichtigste Fortschritt, den die EU-Verordnung hierzulande
bringen könnte, bis auf weiteres nur auf dem Papier. Zudem sind neue
Regeln immer nur so gut wie ihre Überwachung - und da geben die leeren
Kassen der Kommunen, deren Veterinärämter für Kontrollen zuständig sind,
wenig Hoffnung auf Verbesserungen.
Dabei ist die Situation völlig klar: Es gibt keinerlei Rechtfertigung
dafür, lebende Tiere zum Schlachten über hunderte oder gar tausende
Kilometer zu transportieren, um Preisunterschiede auszunutzen und damit
auf dem Rücken der Tiere die Profite zu steigern. Doch solange in der EU
nicht plötzlich die Lobbyistenmacht durch mehr Demokratie ersetzt wird,
solange die Behörden nicht schlagartig eine effiziente Überwachung
installieren und solange die öffentlichen Haushalte nicht durch
vernünftige Steuergesetze wieder Spielraum bekommen, müssen die
Verbraucher also weiterhin selbst beweisen, wie wichtig ihnen der
Tierschutz ist.
Doch auch die Konsumenten bekleckern sich nicht mit Ruhm: Obwohl sich in
Umfragen breite Mehrheiten gegen quälerische Tiertransporte aussprechen,
verweigert bisher nur eine kleine Minderheit an der Ladentheke die
Unterstützung für diese Praktiken - indem sie zu Fleisch aus
artgerechter Tierhaltung greift. Das Trauerspiel Tiertransport geht also
weiter.
Animal Spirit - Zentrum für Tiere in Not
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