
11.
04. 2008
-
Klimaschutz durch
verantwortungsbewusste Ernährung
Quelle:
http://www.vegetarismus.ch/klimaschutz/index.htm
Gemäss der Welternährungsorganisation der UNO trägt die Nutztierhaltung
mehr zur Klimaerwärmung bei als der gesamte weltweite Verkehr. Dennoch
wird dies in den meisten Klimadiskussionen konsequent ignoriert. Auf
dieser Seite wird deshalb die, für viele offenbar sehr unangenehme
Wahrheit, des Zusammenhangs zwischen dem eigenen Ernährungsverhalten und
dem Klimawandel anhand Aussagen international anerkannter Organisationen
aufgezeigt.
Welternährungsorganisation der UNO
Die
Welternährungsorganisation
FAO der
UNO
publizierte einen über 400-seitigen Bericht zum Zusammenhang der
Tierwirtschaft und Klimawandel. Hier finden Sie die Presserklärung der
UNO dazu und einen Link zur
vollständigen Studie als PDF:
Livestock a major threat to environment
Zentrale Aussage
der Pressemeldung:
Gemäss dem neuen Bericht der Ernährungs- und Agrarorganisation der
Vereinten Nationen (FAO) erzeugt der Nutztiersektor mehr Treibhausgase,
gemessen in CO2-Equivalente – 18 Prozent – als das Transportwesen. Er
ist ebenfalls eine grosse Quelle für Bodenerosion und
Wasserverschmutzung .
[According to a new report published by the United Nations Food and
Agriculture Organization, the livestock sector generates more greenhouse
gas emissions as measured in CO2 equivalent – 18 percent – than
transport. It is also a major source of land and water degradation. )]
[1]
Dr. Rajendra
Pachauri, Vorsitzender des Uno-Weltklimarats, antwortete auf die Frage
was er persönlich für den Schutz des Klimas tue:
Ich versuche,
bescheiden zu leben und Abfall zu vermeiden. Zudem bin ich zum
Vegetarier geworden. Dies, weil die Produktion eines einzigen Kilogramms
Fleisch etliche Kilogramm CO2 freisetzt.
Migros-Magazin Nr. 38, 17. September 2007
Rajendra Pachauri:
"Bitte essen Sie weniger Fleisch — Fleisch ist ein sehr CO2 intensives
Produkt."Quelle
Der UNO-Weltklimarat
(IPCC) teilt mit Al Gore den Friedensnobelpreis 2007 wegen der
Aufklärungsarbeit zum Thema globale Erwärmung.
Europäische Union
Antwort der
EU-Kommission zum Thema Klimaschutz und Ernährung auf eine Anfrage
der EVU:
Auch die
Sensibilisierung der Verbraucher hinsichtlich der Auswirkungen auf das
Klima ist wichtig. Organisationen wie die Europäische Vegetarier Union
können eine wichtige Rolle spielen. Stärker als jede theoretische
Steuerung durch Regierungen spielt das Verbraucherbewussts ein eine
bedeutende Rolle beim Umdenken über Agrarerzeugnisse. In dieser Hinsicht
möchte ich Sie zur Fortsetzung Ihrer Arbeit ermuntern.
Leider ist die
EU-Kommission sehr zurückhaltend mit ihrer Erkenntnis zu den Folgen des
Fleischkonsums. Aber auf Ihrer
Seite zum Klimawandel findet man tatsächlich den folgenden Tipp:
Essen Sie Gemüse!
Die Fleischproduktion ist sowohl CO2-, als auch methanintensiv und
erfordert große Mengen Wasser. Wiederkäuer wie Rinder, Schafe und Ziegen
sind übrigens, aufgrund der Art und Weise, wie ihr Verdauungsapparat
Nahrung verarbeitet, große Methanproduzenten.
Max-Planck-Institut
Der
geschäftsführende Direktor des
Max-Planck-Instituts für terrestrische Mikrobiologie
Ralf Conrad sagt zum Problem der Klimaerwärmung:
Kurz gesagt könnte
die Parole lauten: Keine Rinder mehr essen, auf Milchprodukte
verzichten.
[2]
Die Begründung:
Rinder produzieren viel Methangas. Und dieses Gas ist viel schädlicher
fürs Klima als das CO2.
National Centre for
Epidemiology and Population Health
The Australian
National University Canberra, Australia
"Vorhandene
Technologien zur Verringerung von durch Viehhaltung verursachte
Emissionen würden [...] die Klimabelastung um nicht mehr als 20 Prozent
verringern. Gemäss unserer generellen Strategie zur Reduzierung von
Treibhausgasemmissi onen
befürworten wir deshalb eine Strategie zur Reduzierung des Konsums
tierischer Produkte.
Die Verringerung des
Pro-Kopf-Verbrauchs in Staaten mit hohem Einkommen würde dann das
allgemein reduzierte Niveau [des Fleischkonsums] definieren, das Länder
mit niedrigem oder mittlerem Einkommen auch erreichen könnten."
Zu diesem Schluss
kamen die Forscher einer Untersuchung, die im angesehenen
wissenschaftlichen Magazin "The Lancet" am 13. September 2007
veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse lassen ausserdem darauf schliessen,
dass wenn bis 2015 jeder Mensch nur noch durchschnittlich 90 g Fleisch
konsumiert, der Klimakollaps verhindert werden kann. Vorallem die
Menschen in den Industrienationen sind dazu aufgerufen, ihren momentanen
Durchschnittskonsum von 240g pro Person zu reduzieren.
Die Originalstudie
in englisch:
www.eurekalert. org/images/ release_graphics /pdf/EH5. pdf
Universität von
Chicago
Wir untersuchten den
Treibhausgasausstoss einer Ernährungsweise, die pflanzlich basiert ist
und einer auf tierischen Produkten basierenden Ernährung. [...] Wir
kamen zum SChluss, dass eine gemischte Ernährung mit dem
durchschnittlichen US-Amerikanischen Kaloriengehalt und Zusammensetzung
1485 kg mehr Treibhausgase (gemessen in CO2-Equivalente) erzeugt, als
eine Ernährung mit derselben Kalorienzahl, aber durch pflanzliche
Produkte. Dies ist keine Kleinigkeit, Landesweit macht diese Differenz
über 6% der gesamten Treibhausgasemissio nen der USA aus.
[We examine the greenhouse gas emissions associated with plant- and
animalbased diets [...] We conclude that a person consuming a mixed diet
with the mean American caloric content and composition causes the
emissions of 1485 kg CO2-equivalent above the emissions associated with
consuming the same number of calories, but from plant sources. Far from
trivial, nationally this difference amounts to over 6% of the total U.S.
greenhouse gas emissions.]
[5]
Aus der
Studie der Universität in Chicago:
Diet, Energy, and Global Warming von 2006.
World Wildlife Fund
(WWF Schweiz)
Leider hat der WWF
(genauer: Felix Meier, Leiter Konsum und Wirtschaft des WWF Schweiz) uns
untersagt, eine Stellungnahme von ihm (die uns schriftlich vor liegt)
zum Thema Fleischkonsum und Klimawandel zu veröffentlichen.
Der WWF hat zwar eine eigene Seite zum Thema Klima und Ernährung:
Das Klima bittet zu Tisch, doch auch hier wird das Thema der
Verlängerung der Nahrungskette vollständig ignoriert, obwohl die
Nachteile davon dem WWF durchaus bekannt sind.
Ins gleiche Bild
passt auch der
WWF-Klimacheck, in dem der WWF Schweiz so tut als ob es keine
Vegetarier gäbe. Bei der Frage: «Wie oft gedenken Sie Fleisch oder Fisch
zu essen?» kann man als Antwort nur angeben ob man selten oder häufig
Fleisch konsumiert. Dass es immer mehr Menschen gibt, die gar kein
Fleisch konsumieren scheint dem WWF entgangen zu sein.
Glücklicherweise hat der
WWF Deutschland
bei diesem Thema keine so grossen Scheuklappen wie der WWF Schweiz. Sie
haben sogar eine Studie in Auftrag gegeben, in der der Einfluss der
Landwirtschaft auf das Klima untersucht wurde:
Methan und Lachgas: Die vergessenen Klimagase. Obwohl auch WWF
Deutschland auf rein technische und
wirtschaftliche Lösungsansätze setzt (bei den Handlungstipps für
Verbraucher fehlt nach wie vor der Hinweis zum Fleischkonsum! ), wird
der Vorteil der Reduzierung des Fleischkonsums in der Zusammenfassung
der Studie in einem separaten Kasten vom WWF Deutschland so dargestellt:
Klimawirkung der
Verringerung des Rindfleischkonsums
In Deutschland werden pro Kopf der Bevölkerung gegenwärtig etwa 8,8 kg
Rind- und Kalbfleisch pro Jahr gegessen. Wenn der Verbrauch um 1 kg
Rind- und Kalbfleisch pro Kopf der Bevölkerung sinken würde, dann ließen
sich rein rechnerisch 11,4 Prozent der zur Versorgung der einheimischen
Bevölkerung notwendigen Bestände an Masttieren und entsprechende
spezifische Methan- und Lachgasemissionen einsparen.
Bei Rindern allein (ohne Milchkühe) ließen sich so in Deutschland ca.
930.000 Tonnen im CO2-Äquivalent der beiden Treibhausgase Methan (CH4)
und Lachgas (N2O) reduzieren, was knapp 1,5 Prozent der gegenwärtig
durch die Landwirtschaft verursachten Emissionen entspricht.
Ein ähnlicher Effekt könnte erreicht werden, wenn man auf über 6
Milliarden Fluggastkilometer (das entspricht 1.500 Äquatorumkreisungen
einer mit 100 Passagieren besetzten Maschine) bzw. sogar 7 Milliarden
Autokilometer verzichten könnte. (WWF
Deutschland, November 2007)
Über die Rolle der
Milchkuh beim Klimawandel ist man sich beim WWF Deutschland auch völlig
klar:
Methanemissionen
einer Milchkuh
Eine Milchkuh emittiert im Durchschnitt 111,7 kg Methan im Jahr.
Umgerechnet in CO2-Äquivalent entspricht das allein einer jährlichen
Fahrleistung von 18.000 km eines von der Politik in der EU propagierten
Personenkraftwagens mit einem durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 130
g/km. Rechnet man die von einer Milchkuh durch deren Wirtschaftsdü nger
emittierten Treibhausgase Methan und Lachgas hinzu, müssten weitere etwa
6.000 km Fahrleistung hinzuaddiert werden. (WWF
Deutschland, November 2007)
Der WWF Deutschland
fordert sogar eine "Fleischsteuer" um dem Klimawandel zu entgegnen:
WWF fordert Steuer auf Kuh-Abgase
Greenpeace
Bis Anfangs 2008
fand man auf der Internetseite von Greenpeace Schweiz keinen einzigen
Hinweis auf die Umweltauswirkungen des Fleischkonsums (weder im Bereich
Klimawandel noch sonst wo).
Im April 2008
änderte sich dies endlich.
Nun findet man auf der Seite "Geniessen
ohne Reue" endlich eine Ergänzung, die auf den Zusammenhang zwischen
Fleischkonsums und Klimawandel hin weist. Nach einer kurzen Werbung für
den einheimischen Fischkonsum steht:
[...] Wer zudem
seinen Fleischkonsum reduziert, ganz auf Fleisch verzichtet oder sich
sogar ohne Milchprodukte und Eier (vegan) ernährt, leistet einen noch
grösseren Beitrag zum Umweltschutz.
Um eine einzige tierische Kalorie zu erzeugen, braucht es im
Durchschnitt 7 Kalorien an Futtermittel. Um Futtergetreide wie
Sojabohnen und Mais anzubauen, werden im Amazonas immer grössere Flächen
Urwald gerodet - was auch katastrophale Auswirkungen aufs Weltklima hat.
Gehen Abholzung und Fleischkonsum im gleichen Stil weiter, sind in 40
Jahren 40% des Amazonas-Regenwaldes verschwunden.
Glücklicherweise ist Greenpeace Deutschland auch schon so weit: Dort
wird der Beitrag des Fleischkonsums zum Klimawandel schon länger nicht
mehr ignoriert: Auf der Seite "Die
zehn wichtigsten Tipps, was Sie für das Klima tun können" steht
unter Punkt 3:
Reduzieren Sie den
Fleischanteil Ihrer Ernährung. Wenn Sie sich ausgewogen und
fleischreduziert ernähren (oder sogar Vegetarier werden) ersparen Sie
dem Weltklima rund 400 Kilogramm CO2 im Jahr.
Beim CO2-Rechner von
Greenpeace Deutschland gibt es auch Tipps zur Ernährung:
Fleisch und
Milchprodukte haben einen erheblichen Einfluss auf die persönliche
Bilanz. Der Anbau von Viehfutter sowie die Tierhaltung sind zu einem
großen Teil für Emissionen aus dem Ernährungsbereich verantwortlich.
Auch auf der
Klimatestseite der Greenpeacegruppe Berlin wird direkt nach dem
Fleischkonsum gefragt:
Klimatest.
Greenpeace
International hat am 7.1.2008 eine neue Studie veröffentlicht:
Cool farming: Climate impacts of agriculture and mitigation potential
eine deutsche Kurzfassung der Studie findet man bei Greenpeace
Deutschland:
Landwirtschaft und Klima.
Zitate aus der deutschen Zusammenfassung:
Verbraucher können
durch die Reduzierung ihres Fleischkonsums oder Umstellung auf eine
vegetarische Ernährung die landwirtschaftliche Produktion beeinflussen.
Eine Reduzierung der Nachfrage für Fleisch könnte die damit verbundenen
THG-Emissionen erheblich senken.
Greenpeace fordert:
[...] Staatlich finanzierte Werbemaßnahmen, insbesondere in den
Industriestaaten, für eine geänderte Ernährungsweise mit weniger
Fleisch.
Auch bei Greenpeace
in Österreich ignoriert man den Zusammenhang nicht mehr: Die Vorstellung
des neuen
Footprint Materials wurde mit einem veganen Buffet gemacht.
World Watch
Institut
Das
WorldWatch Institut aus Washington warnt schon seit vielen Jahren
vor den globalen Auswirkungen der Fleischproduktion. Natürlich ist auch
das Thema Klimaerwärmung immer wieder ein Thema gewesen.
In Ihrem
Artikel aus dem Jahre 2004,
«MEAT – Now, It’s Not Personal! But like it or not, meat-eating is
becoming a problem for everyone on the planet» [FLEISCH – Nun ist es
keine persönliche Angelegenheit mehr! Ob du es willst oder nicht, der
Fleischkonsum wird zu einem Problem für alle Menschen auf diesem
Planeten], fassen sie die Erkenntnisse zusammen und zitieren unter
anderem folgende Expertenmeinungen:
Eine Tonne
Methan, das wichtigste Treibhausgas in der Landwirtschaft, hat denselben
Effekt auf die globale Klimaerwärmung wie 23 Tonnen Kohlendioxid (CO2).
Eine Milchkuh produziert jährlich 75 kg Methan, was über 1,5 Tonnen
Kohlendioxid entspricht. Natürlich verhält sich die Kuh dabei ganz
natürlich. Aber es scheint so, dass die Menschen dabei vergessen, dass
die Landwirtschaft ein Industriezweig ist. Wir ebnen das Land, säen
Weideland, züchten Nutztiere und so weiter. Es ist ein von Menschen
gemachtes Geschäft, nicht etwas natürliches. Darin sind wir sehr gut,
deshalb stieg die Methangasemission um 150 Prozent in den vergangenen
250 Jahren, während die Kohlendioxidkonzent ration nur um 30 Prozent
angestiegen ist.
[One ton of methane, the chief agricultural greenhouse gas, has the
global warming potential of 23 tons of carbon dioxide. A dairy cow
produces about 75 kilograms of methane a year, equivalent to over 1.5
[metric] tons of carbon dioxide. The cow, of course, is only doing what
comes naturally. But people are inclined to forget, it seems, that
farming is an industry. We cleared the land, sowed the pasture, bred the
stock, and so on. It’s a human business, not a natural one. We’re pretty
good at it, which is why atmospheric concentrations of methane increased
by 150 percent over the past 250 years, while carbon dioxide
concentrations increased by 30 percent.]
Pete Hodgson, New
Zealand Minister for Energy, Science, and Fisheries
Leider wurden die
vielen Warnungen des WorldWatch Instituts bis heute nicht erhört.
Schweiz (Bundesamt
für Umwelt)
Auf die
Anfrage der SVV vom 16.1.2007 an den Bundesrat Leuenberger erhielt
die SVV folgende Antwort
[3]
des Vizedirektors Gérard Poffet des zuständigen Bundesamtes für Umwelt (BAFU):
[...] Die
grundsätzlichen ökologischen Nachteile des heutigen Fleischkonsums sind
allerdings nicht von der Hand zu weisen.
Im Bereich der Landwirtschaft konnten in der Schweiz in den letzten
Jahren aufgrund einer Abnahme des Rindviehbestandes sowie mit der
Neuausrichtung der Landwirtschaftspoli tik die Lachgas- und
Methanemissionen gesenkt werden.
Zur Erreichung unserer klimapolitischen Ziele stehen allerdings
Massnahmen im Vordergrund, die auf eine Reduktion der CO2-Emissionen aus
der Verbrennung fossiler Brenn- und Treibstoffe abzielen. Denn rund 80
Prozent der Treibhausgasemissio nen in der Schweiz stammen aus der
Verbrennung dieser Energieträger. [...]
Die Problematik ist
also auch den Bundesbehörden bekannt. Die starke Subvention der
Schweizer Viehwirtschaft steht jedoch im Widerspruch zu dieser
Erkenntnis.
n dem PDF-Dokument
Klimaschutz im Alltag des Bundesamtes für Umwelt findet man
folgenden fiktiven Vergleich:
Die Eltern Laura und
Felix sind Vegetarier, aber Gourmets. Sie kochen phantasievoll für sich
und ihre beiden Kinder. Frisches, saisongerechtes Gemüse in seiner
ganzen Vielfalt ist an der Tagesordnung. Dagegen sind Fertigmenüs aus
der Tiefkühltruhe ebenso verpönt wie der Mikrowellenherd.
Bei solchen Ernährungsgewohnheiten setzt eine Person jährlich weniger
als eine Tonne CO2 frei.
Wer dagegen viel Fleisch isst, täglich Tiefgefrorenes auftaut und nicht
auf regionale Herkunft achtet, kommt auf mindestens eine halbe Tonne
mehr.
Schlachtvieh zu mästen erfordert eben einen viel höheren Energieeinsatz
als Pflanzenbau, denn für jede Kalorie Fleisch braucht es ein Mehrfaches
an pflanzlichen Kalorien in Form von Futtermitteln.
Die vegetarische
Ernährung ist hier zwar gut verpackt inmitten anderer klimarelevanter
Handlungen, aber immerhin wird sie nicht ganz ignoriert.
Doch auch in einer
weiteren Schrift des BAFU,
Das Klima in Menschenhand. Neue Fakten und Perspektiven. 2002, wird
der Fleischkonsum zumindest am Rande erwähnt (Seite 17):
Steigender
Fleischkonsum und damit wachsende Rinderherden fördern die Produktion
von Treibhausgasen ebenso wie der wachsende Nahrungsmittelbedar f einer
stets grösser werdenden Weltbevölkerung.
Man muss zwar bei
der Schweizer Regierung schon etwas länger suchen, da die Erwähnung des
Fleischkonsums ausschliesslich auf PDF-Dokumente verbannt wurde und
jeweils nur nebenbei erwähnt wird. Aber das Thema wird zumindest nicht
vollständig ignoriert.
Im Dokument
"Umweltbewusster
Konsum – Schlüsselentscheide, Akteure und Konsummodelle" aus der
Reihe Umwelt-Wissen des
BAFU von 2006 wird jedoch als wichtigster Punkt zur Entlastung der
persönlichen Ökobilanz genannt:
Weniger Fleisch essen.
Im Text wid dies folgendermassen auf Seite 58 erleutert:
Wer seinen
Fleischverzehr im Vergleich zu einer «normalen» Ernährung um die Hälfte
reduziert, verbessert seine persönliche Bilanz um rund 2,8 GJ nicht
erneuerbare Primärenergie pro Jahr. Noch bedeutender sind die
Einsparungen in Bezug auf die Landbeanspruchung und den Wasserverbrauch.
Interessant ist,
dass diese wichtige Information des BAFU nur in einer Online-Version zur
Verfügung steht. Eine gedruckte Version existiert nicht.
Bundesamt für
Landwirtschaft
Zum Thema Klimagase
und Landwirtschaft hat die Zeitung «Der Bund» am 23. November 2007 ein
kurzes, aber aussagekräftiges Interview mit Manfred Bötsch, dem Leiter
des Bundesamtes für Landwirtschaft, durchgeführt:
«BUND» Warum ist der
Anteil der Landwirtschaft an den Emissionen gesunken?
Manfred Bötsch: Weil der Tierbestand seit 1990 abgenommen hat. Steigt
die Nachfrage nach Milch und Fleisch, wird sich dieser Trend aber wieder
umkehren. [...]
«BUND» Würde man
weniger Fleisch essen, würde sich das aber positiv auf das Klima
auswirken?
Manfred Bötsch: Das ist richtig. Für die Produktion einer tierischen
Kalorie brauchen Sie mindestens vier pflanzliche Kalorien. [...]
Deutschland
Zum Thema
Ammoniak (NH3) veröffentlichte die
Untersuchungskommis sion des
Deutschen Bundestages
zum Thema «Schutz der Erdatmosphäre» 1992 in «Klimaänderung gefährdet
nationale Entwicklung»:
National (BRD),
kontinental (Westeuropa) und global sind die NH3-Emissionen zu 90% der
Landwirtschaft und hier zu 80% der Tierhaltung zuzuordnen. In der
Bundesrepublik Deutschland werden jährlich 528000 t NH3 emittiert.
Ammoniak entsteht im Stallbereich, in der Weidewirtschaft sowie bei der
Lagerung und Ausbringung von organischem Dünger. […] Durch Minderung der
Viehbestände, Fütterungsumstellung en und Reduzierung der
Güllewirtschaft würden die Ammoniak- und Stickoxid-Freisetzu ngen
vermindert. […] Das wäre nicht nur in ökologischer, sondern auch in
ökonomischer Hinsicht wünschenswert. [4]
Diese Kommission der
deutschen Regierung war damals ihrer Zeit weit voraus. Dennoch hat die
deutsche Regierung keine Taten folgen lassen.
Zumindest
der
Bayerische Umweltminister Werner
Schnappauf
hat zur
Eröffnung der BioFach-Messe den Einfluss der Ernährung auf das Klima,
und dabei insbesondere auch den Fleischkonsum, klar angesprochen. Aus
der
Presseerklärung vom 15.2.2007 dazu:
In der Woche mal auf
Fleisch verzichten, ist Schnappauf zufolge auch ein Beitrag zum
Klimaschutz: Laut Studie werden beispielsweise bei der Produktion von
einem Kilo Rindfleisch 6 ½ Kilo CO2 eingesetzt; die gleiche Menge Obst
verbraucht hingegen nur ein halbes Kilo, Gemüse sogar nur 150 Gramm.
Also kurz gefasst 5 Tipps für den Einkauf: mehr pflanzliche Lebensmittel
in den Speiseplan aufnehmen, saisonales Obst und Gemüse aus dem Freiland
bevorzugen, regionale Lebensmittel in den Vordergrund stellen,
nachhaltig erzeugte Lebensmittel einbeziehen und frische, möglichst
wenig verarbeitete Lebensmittel statt Tiefgefrorenes, so der Minister.
Die Worte sind
vielversprechend. Doch leider findet man ausserhalb dieser
Presseerklärung kaum Informationen zu diesem Thema. Ganz im Gegenteil:
Bei den vielen Broschüren zum Klimaschutz befindet sich eine mit dem
Namen: "Energie
sparen in Metzgereien - Klima schützen - Kosten senken". Das
Energiesparen ist sicher in allen Bereichen notwendig, doch dass man den
Metzgereien eine eigene Broschüre widmet, während man das Thema
Fleischkonsum ansonsten ignoriert, ist einseitig.
Nur an einem Ort taucht der Fleischkonsum bzw. die vegetarische
Ernährung wieder auf: Beim persönlichen
CO2-Rechner. Dort kann man angeben, ob man sich vegetarisch ernährt.
Es wird zwar erwähnt, dass Fleisch und Milchprodukte energieintensiv bei
der Erzeugung sind, auf die Auswahl einer veganen Ernährung wird in
diesem Formular dennoch verzichtet.
Deutscher
Naturschutzring (DNR)
Helmut Röscheisen,
der Generalsekretä r des Deutschen Naturschutzrings findet eindeutige
Worte:
Wir brauchen eine
deutliche Reduzierung der Viehbestände in Agrarfabriken"
[6]
Der Deutsche
Naturschutzring ist ein Dachverband für alle in Deutschland tätigen
Umwelt- und Naturschutzverbände.
Österreich
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und
Wasserwirtschaft erstellte einen
Footprint Rechner zur Information der breiten Öffentlichkeit über
den Einfluss des persönlichen Lebensstil auf die Umwelt. Als eine der 4
wirkungsvollsten Massnahmen den persönlichen Footprint zu reduzieren
schreiben sie:
Weniger Fleisch und
tierische Produkte essen, sowie lokale und jahreszeitgerechte
Bioprodukte bevorzugen. [Quelle]
England
Die Englische
Regierung geht auf Ihrer
Homepage auf den Einfluss verschiedener Produkte auf die Umwelt ein
und erwähnt ausdrücklich, dass Fleisch und Milchprodukte grosse negative
Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima haben:
Die Produktion von
Fleisch und Milchprodukten beeinflusst die Klimaänderung und die Umwelt
viel stärker als die meisten Getreide- und Freiland
Früchte-/Gemüsearten.
[the production of meat and dairy products has a much bigger effect on
climate change and other environmental impacts than that of most grains,
pulses and outdoor fruit and vegetables]
ie Engländer gehören
zu den grössten Fleischkonsumenten Europas, gleichzeitig haben sie aber
auch bei weitem die meisten Vegetarier Europas. Deshalb ist gerade dort
dieses Thema von grosser Tragweite.
Al Gore / USA
Al Gore wurde nach
seiner Präsidentschaftskand idatur in den USA vor allem durch seinen
enormen Einsatz gegen den Klimawandel und seinen Film dazu "An
Inconvenient Truth " bekannt.
Im Film wird leider mit keinem Wort der Zusammenhang zwischen Ernährung
und Klimawandel erwähnt. Vermutlich liegt dies daran, dass
Al Gore selbst Fleisch konsumiert. Er würde bei seinen vielen
Vorträgen deshalb sofort unglaubwürdig werden, wenn er diesen
Zusammenhang erwähnen würde, ohne auch selbst die Konsequenten daraus zu
ziehen. Doch auf der
Homepage zum Film findet man immerhin folgende Aussage:
Essen Sie weniger
Fleisch
Methan ist das zweitwichtigste klimaschädigende Gas und Kühe gehören zu
den grössten Methanausstossern. Ihre Ernährung durch Gras und die
mehreren Mägen lassen sie Methan erzeugen, welches sie mit jedem Atemzug
ausstossen.
[Eat less meat
Methane is the second most significant greenhouse gas and cows are one
of the greatest methane emitters. Their grassy diet and multiple
stomachs cause them to produce methane, which they exhale with every
breath.]
Da der Film in
erster Linie für ein US-Amerikanisches Publikum gemacht wurde, könnte es
natürlich auch sein, dass Al Gore sein Publikum nicht überfordern wollte
und deshalb diesen Aspekt auf eine Unterseite der Homepage zum Film
verbannt hat. Wenn es ihm aber ernst ist mit der Aussage, dass der
Klimawandel das grösste Problem ist, dem die Menschheit heute gegenüber
steht, sollte er zumindest seinen persönlichen Ernährungsstil auch
entsprechend anpassen.
Aussagen weiterer
Fachleute
Um das
Treibhausgas Kohlendioxid in der Atmosphäre zu verringern, sollte nicht
weniger Öl und Gas verbrannt werden, sondern die Menschheit sollte ihre
Essgewohnheiten ändern: Wenn alle Menschen Vegetarier wären, könnte die
globale Erwärmung kontrolliert werden. [...]
Die weltweite Verminderung der Fleisch-Produktion zum Erreichen des
Kyoto-Ziels scheint politisch leichter umsetzbar zu sein, als den Konsum
fossiler Brennstoffe zu beschneiden.
Der britische
Physiker Alan Calverd in «A radical approach to Kyoto», publiziert in "Physics
World" (S. 56, Juli 2005). Quelle:
ORF Science
Die Beiträge
der Rinderhaltung zum Treibhauseffekt sind ähnlich gross wie die des
gesamten Autoverkehrs, wenn wir die Waldrodung fürs Rind und für
Futtermittel einbeziehen. […] Und die Verwandlung von Savannen in
Wüsten, die Erosion in Berggebieten, der übermässige Wasserbedarf der
Rinder, der gigantische Energiebedarf der Mastviehhaltung sind einige
weitere Gründe dafür, dass wir mit jedem Pfund Rindfleisch der Umwelt
schwer zusetzen.
Der Leiter des
Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt und Energie, Ernst U. v.
Weizsäcker
in
seinem Vorwort zu: Jeremy Rifkin: «Das Imperium der Rinder», Campus
Verlag, 1992, Seite 12.
Die
Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch belastet das Klima so stark
wie 250 Kilometer Autofahrt. Das folgt aus einer
japanischen Studie zur Umweltbilanz von Rindern.
Wissenschaft. de, gemäss einer
japanischen Studie im Animal Science Journal
Ein
Kilogramm Rindfleisch ist verantwortlich für mehr Treibhausgasemmissi
onen und andere Schadstoffe als eine 3-stündige Autofahrt während man
alle Lichter zu Hause brennen lässt.
New Scientist, 18. Juli 2007
Iss klug, werde
Vegetarier?
[...] Fleisch, egal ob Rindfleisch, Hühnerfleisch oder Schweinefleisch,
benötigt mehrere Pfund Futtermittel, um ein Pfund Protein zu erhalten.
[...]
Forscher der Universität Chicago schätzen, dass jeder fleischessende
US-Amerikaner 1,5 Tonnen mehr Treibhausgase durch seine Ernährung
erzeugt als ein vegetarisch lebender Amerikaner. Es würde auch viel
weniger Land benötigen, um das nötige Getreide für die menschliche
Ernährung statt die Tierernährung anzubauen. Dies würde mehr Raum
schaffen, um Bäume zu pflanzen.
SCIENTIFIC AMERICAN:
10 Solutions for Climate Change, 26. November 2007
Weniger Fleisch ist
mehr Regenwald:
Was auf den ersten Blick absurd klingen mag, ist so einfach wie
erschreckend. Um Futterpflanzen wie Soja für die Massentierhaltung
anzubauen, werden in Südamerika und Südostasien riesige Flächen
tropischen Regenwalds gerodet. Essen Sie weniger Fleisch – nicht nur aus
Tierschutzgrü nden.
Pro Wildlife e.V.:
Verbrauchertipps zum Tag des Artenschutzes am 3. März 2008
Stand: 4.3.2008
Quellen:
-
Livestock a major threat to environment
-
Mikrobiologe: "Lieber an der Methanschraube drehen", Der Standard,
22.2.2007 und
Klimawandel bremsen: Verzicht auf Rind und Milch, ORF, 22.2.2007
-
Der vollständige Brief kann als PDF hier gelesen werden:
Briefantwort des BAFU.
-
Gemeinsame Erklärung der 27 Mitglieder der Enquete-Kommission, worin
alle Regierungsparteien und 14 Wissenschaftler vertreten waren.
-
Diet, Energy, and Global Warming, Earth Interactions, Volume 10
(2006), Paper No. 9
-
Presseartikel vom 29.01.2008,
«Massentierhaltung schadet dem Klima»
Weitere
Informationen zu Ökologie und Ernährung

-
Power-Point- Präsentation vom Workshop am Sozial- und Umweltforum
Ostschweiz (SUFO) der SVV
-
Ökologische Folgen des Fleischkonsums: Überblick über die
vielen weiteren ökologischen Folgen der Fleischproduktion
-
Klimaschutz- Flyer
der SVV:
«Klimaschutz im Alltag – Wie Sie jeden Tag etwas für das Klima tun
können.»
-
Zu wenig Wasser fürs Fleisch? (Vegi-Info 2004/3)
-
Auswirkungen der Ernährungsweise auf die Umwelt (Vegi-Info
2006/4)
-
Fleischkonsum ist keine Privatsache mehr (Vegi-Info 2005/3)
-
Schockierende Tatsachen zur Rinderzucht (Vegi-Info 2001/3)
-
Pressemeldung des Vegetarier-Bundes Deutschlands zum Thema
Klima.
-
Internet-Rechner: CO2 Schleuder Mensch, Spiegel Online,
9.3.2007
-
Schadet Fleischkonsum dem Klima?, Focus online, 16.3.2007
-
Der globalen Erwärmung den Kampf ansagen – durch Vegetarismus,
PETA
-
PETA fordert Steuer auf alle Rinderprodukte, 16.3.2007
-
Klimaschutz im Topf Esst weniger Fleisch!, n-tv, 13.3.2007
-
Klimaschutz mit dem Einkaufszettel, Verbraucherzentrale
Hamburg
-
Wieviel Fleisch erträgt die Welt?, Sustainable Austria Nr.13
-
Klimakiller ersten Ranges, Die Zeit, 18.1.2007
-
Freispruch für die Pflanzen, Wissenschaft. de, 1.5.2007
-
Ein Kilo Fleisch – schädlich wie 250 km Autofahrt, Die Welt
Online, 18.7.2007
-
Wie Steaks das Klima belasten, Wissenschaft. de, 19.7.2007
-
Ein Kilo Fleisch verursacht 36 Kilogramm Kohlendioxid, Spiegel
Online, 19.7.2007
-
Vegetarische
Initiaitve e.V.:
Umweltschutz / Ökologie / Klimaschutz (Linkliste zu den
Themen)
-
Methan und Lachgas: Die vergessenen Klimagase, WWF Deutschland
[nach
oben]
Animal Spirit - Zentrum für Tiere in Not
Am Hendlberg 112, A-3053 Laaben
Tel: +43 (0) 2774/29 330
Email:
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Web: www.animal-spirit.at
Spendenkonto: PSK 75.694.953, BLZ 60000
Online spenden:
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