
Fleisch ist ungesund - Milch auch!
Es wäre ja
zu schön gewesen, um wahr zu sein: zu dicke Vielesser schieben die
Schuld an ihren überflüssigen Pfunde einfach den Genen in die Schuhe.
Schließlich, so will uns die Genforschung Glauben machen, sei fast
alles, was uns widerfährt, genetisch vorprogrammiert: von Alzheimer über
Alkoholismus, Rheuma, Krebs, Drogenabhängigkeit, Haarwuchs bis
Zahnlosigkeit. Tierquäler von den Universitäten Jena und Potsdam sowie
dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam haben jetzt
»herausgefunden«, dass zumindest für die Fettleibigkeit doch nicht ein
defektes Gen verantwortlich ist, sondern - wer hätte das gedacht -
ungesunde Ernährung (1). Wie viele Mäuse mussten für diese bahnbrechende
Erkenntnis leiden und sterben.
Wie stark
das Essen unsere Gesundheit beeinflusst, beweisen hingegen unzählige
wissenschaftliche Bevölkerungsstudien. Solche wissenschaftlichen
Untersuchungen untermauern auch, was unter »ungesunder Ernährung« zu
verstehen ist: zu viel Fett, Fleisch und Milch.
Einige
aktuelle Studien der letzten zwei Monate:
Eine
chinesische Studie an 1.204 Frauen mit Gebärmutterkrebs und 1.212
gesunden Frauen untersuchte den Einfluss der Essgewohnheiten auf die
Entstehung dieser Krebsart. Das Ergebnis: viel tierisches Eiweiß und
Fett in der Nahrung erhöht das Krebsrisiko. Frauen, die am meisten
Fleisch aßen, bekamen viermal so häufig Gebärmutterkrebs wie Personen,
die sich vorwiegend pflanzlich ernährten (2).
Der
Fleischkonsum von Müttern hat sogar negativen Einfluss auf die
Zeugungsfähigkeit der Söhne. Das ist das Ergebnis einer Studie der
University of Rochester, USA. Die Forscher verglichen die Samenqualität
von 387 Männern mit den Essgewohnheiten ihrer Mütter während der
Schwangerschaft. Je mehr Rindfleisch die Mütter zu sich nahmen, desto
weniger Spermien hatten ihre Söhne. Die Söhne von Wenig-Rindfleisch-Esserinen
hatten eine 24 Prozent höhere Spermienquote gegenüber Männern mit
fleischessenden Müttern. Das Ergebnis ist auf die Hormone
zurückzuführen, die in den USA üblicherweise bei der Rinderzucht
verwendet werden (3).
Eine
andere Studie bewertete den Zusammenhang zwischen Lignanen, pflanzlichen
Östrogenen, die in Obst, Gemüse und Getreideprodukten vorkommen, und dem
Risiko in den Wechseljahren an Brustkrebs zu erkranken. Frauen, die am
meisten Lignane konsumierten hatten ein 17 Prozent geringeres Risiko
Brustkrebs zu bekommen (4).
In einer
über 17 Jahre dauernden Studie wurde der Zusammenhang zwischen
Kalziumkonsum und Prostatakrebs bei 29.133 Männern unter die Lupe
genommen. Viel Kalzium (mehr als 2.000 mg pro Tag) ergab ein um 63
Prozent höheres Krebsrisiko, gegenüber wenig Kalzium in der Nahrung
(unter 1.000 mg pro Tag). Dass Prostatakrebs durch zu viel Milch
ausgelöst werden kann, ist bereits seit langem bekannt. Diese neue
Studie belegt, dass es offensichtlich das Kalzium in der Milch ist, das
die Aktivierung von Vitamin D im Körper hemmt. Dieses wiederum ist für
die Prostata wichtig. Viele Milchprodukte sind zwar mit Vitamin D
angereichert, der hohe Kalziumgehalt verhindert aber eine Aktivierung
des Vitamins (5).
Fettreiche
Mahlzeiten erhöhen den Herzschlag und den Blutdruck. Das ist das
Ergebnis einer aktuelle Studie aus Kanada. Wissenschaftler der
Universität Calgary analysierten die Wirkung einer einzelnen fettreichen
(42 g) oder einer fettarmen (1 g) Mahlzeit bei 30 gesunden Probanden.
Bei verschiedenen Stresstests stieg der Blutdruck bei der ersten Gruppe
1,25 bis 1,5 mal stärker an, als in der zweiten Gruppe (6).
Literatur
(1) Spiegel Online, 03.
April 2007.
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,475301,00.html
(2) Xu W, Dai Q, Xiang Y, Zhao G, et al. Nutritional factors in relation
to endometrial cancer: A report from a population-based case-control
study in Shanghai, China. International Journal of Cancer. 2007: 120,
1776-1781
(3) Swan SH, Liu F, Overstreet JW, Brazil C, Shakkebaek NE. Semen
quality of fertile US males in relation to their mothers' beef
consumption during pregnancy. Human Reproduction, March 28, 2007,
doi:10.1093/humrep/dem068
(4) Touillaud MS, Thiebaut A, Fournier A, Niravong M, et al. Dietary
lignan intake and postmenopausal breast cancer risk by estrogen and
progesterone receptor status. Journal of the National Cancer
Institute, 2007: 99, 475-486
(5) Mitrou PN, Albanes D, Weinstein SJ, Pietinen P, et al. A prospective
study of dietary calcium, dairy products and prostate cancer risk (Finland).
International Journal of Cancer, 2007: 120, 2466-2473
(6) Jakulj F, Zernicke K, Bacon SL, Wiellingen L, et al. A high-fat meal
increases cardiovascular reactivity to psychological stress in healthy
young adults. Journal of Nutrition 2007: 137, 935-939
Dr. med.
vet. Corina Gericke
http://www.datenbank-tierversuche.de/magazin/content/2007-05-30-fleischundmilch.php4
Animal Spirit - Zentrum für Tiere in Not
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